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Archiv für den Monat Mai 2013

Noch auf Olchon

Heute machen wir mal einen „Gemütlichen“.
Nach all den Aufregungen und dem Stress der letzten Tage unbedingt notwendig.

Lange Schlafen.
Danach mache ich einen richtig weiten Spaziergang mit Aspros, er trauert auch sehr, wir müssen ihn irgendwie beschäftigen, damit er abgelenkt ist.
Von der Anhöhe kann man Chuzhir und den Schamanenfelsen sehen, unsere kleine Bucht ist heute eisfrei, die Strömung hat die Eisschollen weggetrieben.
Wunderschöne, uralte Lärchen stehen in unserer Nähe, einige mit Opferfähnchen behängt.
Die Steppe bringt überall winzig kleine Blümchen hervor, auch diese gelben Liliengewächse finden wir immer wieder mal.
Das Wetter passt, es ist angenehm warm, die Sonne lacht vom stahlblauen Himmel.

Heute wollen wir es uns gut gehen lassen, Seelenfutter ist dringend notwendig.
Heike backt uns allen einen Apfelstrudel und serviert Vanillesauce dazu – Mann, welch ein Luxus ! Wußten gar nicht mehr, wie so was schmeckt.

Am Abend dann ist Grillen angesagt.
Leider zieht gerade da ein kleines Gewitter auf, es windet heftig, der Himmel sieht bedrohlich aus, es ist kalt geworden, tröpfelt ein wenig.
Als wir uns dann nach drinnen verziehen und fertig gegessen haben, ist der Spuk schon wieder vorbei. – Schade, naja. ( 53°13’27.94″N, 107°24’13.77″E )

Tagesetappe:     0 km                    Gesamtstrecke:     8.609 km

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Verfasst von - 31. Mai 2013 in Uncategorized

 

Auf Olchon

Am Morgen wollen wir weiterziehen, Richtung Olchons Norden.
Wir bleiben noch ein wenig, gehen durch die Klippen hinunter an den Strand, dann wieder hoch auf unseren Stellplatz auf der Klippe, machen noch einen Spaziergang mit Aspros, schauen dann nochmal bei Kokki vorbei. —  Es fällt uns schwer zu fahren.

Auf dem Weg vom „Meer“ hoch zur Piste kommen wir an einer Bucht vorbei.
Dort hat die Strömung in der Nacht dicke Eisschollen angetrieben, sie leuchten in der Sonne, ein wunderschöner Anblick.

Über die Sand- und Schotterpiste fahren wir in Richtung Chuzhir, dem Hauptort der Insel.
Die Insel ist im gesamten Westteil steppenartig bewachsen, die Fortsetzung der Tascheransteppe vom Festland, burjatische Hirten auf Pferden ziehen mit ihren Rinder- und Schafherden über die weiten, hügeligen Flächen. Hier ist es extrem trocken, wenig Niederschläge und eine hohe Zahl an Sonnenstunden sind dafür verantwortlich.

Chuzhir, der Hauptort mit 1.400 Einwohnern, liegt direkt am Schamanenfelsen, dem großen Heiligtum der Insel und gesamten Region.
Zu bieten hat der Ort um diese Jahreszeit leider noch nicht so viel. Die Touristensaison beginnt erst etwa Mitte Juni, die wenigen Unterkünfte, Fischstände und Gaststätten haben noch geschlossen. Schade, eigentlich hätten wir heute gerne mal einen Omul, den Baikalfisch schlechthin, gegessen.
Wir schlendern durchs Dörfchen, oben am Berg leuchtet die blaue Kuppel der kleinen orthodoxen Kapelle, wir gehen hoch, schauen hinein, schön ist sie, ziemlich neu und sauber.
Später treffen wir Jochen, Barbara und Uwe wieder, mit denen zusammen wir schon in Irkutsk im Biergarten waren. Sie fahren bereits wieder in den Süden zurück.

Wir in den Norden weiter. Ein Stück hinter Chuzhir finden wir einen traumhaft schönen Stellplatz, auf einer Klippe über einer Bucht, auch hier geht der Blick weit hinaus auf das „sibirische Meer“, drüben im Westen die noch schneebedeckten Berge, davor eine kleine Vogelinsel, unten in unserer Bucht liegen auch noch dicke Eisschollen. Hier wollen wir ein wenig bleiben, ein oder zwei Tage, mal sehen.
( 53°13’27.94″N, 107°24’13.77″E )

Spätnachmittags kriegen wir Besuch, eine kleine Rinderherde schaut mal nach dem Rechten, sie sind sehr friedlich, eher zutraulich und kümmern sich kaum um uns, ziehen dann weiter, auch ein paar Hunde schauen mal vorbei, auch recht friedlich. Überhaupt ein sehr friedlicher Platz hier draußen in der Wildnis.

Und so sieht dann „Eiswaschen“ aus, Heike meinte, unbedingt noch schnell mal ein paar Hunde-Handtücher und -lappen auswaschen zu müssen, naja, eiskalte Füße und Hände vorprogrammiert, das Waschergebnis – leidlich.

Tagesetappe:     33 km                    Gesamtstrecke:     8.609 km

 
 

Von Irkutsk zur Insel Olchon

Kokkis letzte Fahrt.
Wir haben uns entschlossen, ihn auf die Insel Olchon zu bringen, etwa 250 km weiter nördlich, einen der schönsten Plätze in ganz Sibirien.

Die Insel Olchon liegt mitten im Baikalsee, dem „sibirischen Meer“, ist max. 72 km lang und 14 km breit und nur von etwa 1800 Menschen bewohnt.
Die Landschaft dort soll traumhaft schön sein, rundum mit Bergen, die Klippen steil aus dem Meer aufsteigend, mit schönen Buchten, Sand- und Kiesstränden und mehr als 2.300 Sonnenstunden im Jahr.
Irgendwie klingt das ein wenig nach Kreta, wo Kokki geboren wurde und dann 3 1/2 Jahre mit uns durch die Welt gezogen ist, — bis hierher.
Das muß ein guter Platz für ihn sein, hier werden wir ihn wohl zurücklassen müssen.

Zunächst bleiben wir östlich der Angara und verlassen Irkutsk in nördlicher Richtung, fahren auf einer Nebenstrecke über Ust-Ordynski und weiter bis Bayandai, wo wir rechts abbiegen und über Jelanzy an die Fähre bei Sachjurta (heute auch MRS genannt) gelangen. Unser Weg führt uns durch den autonomen burjatischen Bezirk Ust-Ordynski, in dem die aus der Mongolei stammende Minderheit der Burjaten schon seit dem 13. Jahrhundert lebt. Das Aussehen der Menschen, die wir entlang der Strecke sehen ist typisch mongolisch.

Am Anfang ist alles noch ziemlich eben, ewige Weiten, Straße bis zum Horizont. Doch wenig später beginnt es hügelig zu werden, Graslandschaften rechts und links, Herden, Rinder und Pferde, manchmal auch Schafe dabei, sehen wir überall grasen, burjatische Hirten auf ihren Pferden reiten meist in der Nähe.
Und noch ein wenig später wird es richtig bergig, die Gegend wirkt auf uns wie das Voralpenland, Hügel im Vordergrund, Berge dahinter, Fichtenwälder, grasende Kühe,die Straße kriegt plötzlich steile Anstiege und Abfahrten.
Hier ist der Winter noch nicht lange vorbei, die Wiesen sind noch farblos, das alte Gras vom Vorjahr vom Schnee zerdrückt, die Bäume noch kahl und unten in einer Senke sehen wir noch massenhaft Schnee liegen, daneben eine Kuh bei der Suche nach den ersten grünen Grashalmen.

Hinter Jelanzy durchfahren wir die Tascheransteppe und erreichen dann den Primorski-Pass auf etwa 1000 Meter Höhe, an dessen höchstem Punkt ein großer Obo, eine schamanische Opferstelle liegt. In den burjatisch geprägten Regionen ist der Schamanismus weitverbreitet, überall sieht man heilige Orte, Opferstellen, magische Orte, Felsen oder ähnliches, meist mit bunten Opferfähnchen geschmückt. Vom Pass haben wir zum ersten Mal einen herrlichen Blick auf den Baikalsee, das dahinterliegende Baikalgebirge und die Insel Olchon.

Kurz danach erreichen wir bei Sachjurta den Fähranleger und haben Glück, die Fähre ist gerade eingelaufen, in wenigen Minuten leer und nimmt uns direkt mit auf die Insel.
Es ist eine kleine Fähre, gerade mal etwa 10 PKW passen drauf, entsprechend eng geht es zu, als wir unsere zwei Brummer drauffahren.
Bereits nach knapp 10 Minuten gehts los. Die Überfahrt ist ein Klacks, bereits nach knapp 20 Minuten erreichen wir den Anleger auf Olchon.

Olchon ist steppenartig, es gibt nur eine einzige Straße, eine unasphaltierte Piste, die die Insel von Süd nach Nord durchzieht.
Wir haben einen Stellplatztip mitgebracht, etwa 15 Kilometer nach dem Anleger, noch vor dem Dorf Jalga führt uns eine kleine Sandpiste zu einer versteckten Bucht am Meer.
Das ist es ! Unser Platz für die Nacht. ( 53°06’56.25″N, 107°02’46.92″E )
— und Kokkis letzte Ruhestätte. ( 53°06’56.76″N, 107°02’46.92″E )
Auf einer kleinen Klippe, direkt über dem Meer, gegenüber die noch etwas schneebedeckten Berge des Baikalgebirges, rechts und links der Klippe jeweils ein kleiner, sandiger Strand mit glasklarem Wasser vor steil aufragenden Felsen, die Wellen des Meeres plätschern, Möwen ziehen vor den Klippen ihre Kreise und die Sonne scheint traumhaft schön – es hat sehr viel von Kreta, das passt.

Tagesetappe:     268 km                    Gesamtstrecke:     8.576 km

 
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Verfasst von - 29. Mai 2013 in Uncategorized

 

Irkutsk, 4. Tag

Endlich lacht die Sonne mal wieder, schon früh um 8 herrlich blauer Himmel und wärmer ist es auch geworden.

Die Freude darüber hält allerdings nicht sehr lange an, gegen 9 Uhr geht es Kokki plötzlich extrem schlecht, er kollabiert.
Heike weckt Marion und Peter und bittet um Hilfe, ich renne los ins Hotel um Alexandra, die Dolmetscherin um Hilfe zu bitten, sie ist zunächst nicht da, kommt aber nach 10 Minuten, müht sich dann irrsinnig, telefoniert mit der Tierklinik, ruft das Taxi, wir fahren los. Unterwegs geht es ihm wieder besser, in der Klinik wird er versorgt, die üblichen zwei Infusionen und 5 Spritzen, später noch mal 3, es hilft, er erholt sich ein wenig. Schon bei unserer Ankunft und beim ersten Blick auf Kokki stellt die Ärztin die neue Diagnose: Hepatitis ! Das kann nicht sein, er ist geimpft und erst im März aufgefrischt worden. Sie recherchiert weiter, glaubt selbst nicht so ganz an die Hepatitis-Diagnose, weil er eigentlich nicht so geschwächt sein dürfte, läßt das Blut von gestern weiter untersuchen, den Urin, der Chefarzt macht eine Ultraschalluntersuchung, wir reden, sie fragen uns nach allen möglichen Ursachen, gegen 15 Uhr steht die neue Diagnose: Babesiose, eine Krankheit, die durch den Biß einer Zecke übertragen wird und hepatitis-ähnliche Symptome aufzeigt. Die Babesien fressen die roten Blutkörperchen auf, die Leber kann nicht mehr vernünftig arbeiten, der gesamte Organismus kriegt enorme Probleme. Die Krankheit gibt es hier in der Region nicht, weswegen sie erst darauf kam, als wir erzählt haben, daß wir aus der Moskauer Region mit dem Wohnmobil angereist sind. Es gibt eine mögliche Therapie, damit sollen wir morgen beginnen, wenn eine weitere Kapillarblut-Untersuchung abgeschlossen ist.

Erst gegen 16 Uhr am nachmittag sind wir am Hotel-Stellplatz zurück, Kokki ist ganz gut beieinander.
Wir telefonieren mit Deutschland, mit drei verschiedenen Tierärzten, bekommen ein Medikament genannt, welches hilft, Alexandra ruft wieder in der Klinik an, das Medikament ist nicht verfügbar, wir versuchen es wieder in Deutschland, versuchen es über mehrere Tierärzte und auch Apotheken zu kriegen, evtl. schicken zu lassen, es ist schwierig, durch die Zeitverschiebung, die Praxen machen zum Teil erst um 15 oder 16 Uhr wieder auf, bei uns ist es dann schon 22 bzw. 23 Uhr.

Um 22.30 geht es Kokki wieder schlechter, die Tierklinik ist jetzt geschlossen, er hat offensichtlich Schmerzen, auch Muskelkrämpfe, schubweise, es wird immer wieder mal besser, dann wieder schlechter, eine Achterbahnfahrt. Auch für uns alle, wir sind fertig heute. Ich mag Euch die weiteren Details ersparen.

Irgendwann spät am Abend, es muß wohl gegen 0.30 Uhr in der Nacht gewesen sein, stirbt Kokki.
Er hat es nicht geschafft !
Eine kleine Zecke, so ein sche… Biest hat ihn umgebracht !
Wir sind alle tief getroffen, zu viert sitzen wir noch lange um ihn, auf dem Boden, sind traurig.
An Schlaf ist nicht zu denken. ( 52°16’56.40″N, 104°16’25.53″E )

Tagesetappe:     0 km                    Gesamtstrecke:     8.308 km

 
 

Irkutsk, 3. Tag

Die Nacht war unruhig, Kokki gehts nicht gut, obwohl kleine Verbesserungen sichtbar sind, er „wandert“ viel, wechselt laufend seinen Liegeplatz, kann nicht schlafen und trinkt unheimlich viel, wenigstens bleibt das Meiste drinnen. Allerdings sind wir ständig wach und entsprechend schlecht ausgeschlafen heute morgen.
…und dazu hats ein „Traumwetter“, es regnet schon die ganze Nacht, draussen hats 4 Grad, es ist echt ein Sche…tag !

Zwischen 8 und 9 verschlechtert sich Kokkis Zustand, wir müssen dringend noch mal zur Tierärztin.
Gestern früh haben wir erfahren, daß an der Hotelrezeption eine junge Frau arbeitet, die perfekt deutsch spricht, wir fragten nach ihr, sie kommt aber erst heute früh wieder zum Dienst. Gleich um 9 sind wir bei ihr, Sophie heißt sie, spricht wirklich erstklassig deutsch und hilft uns sofort, sie ist superfreundlich, kümmert sich, telefoniert für uns mit der Arztpraxis und besorgt das Taxi und organisiert uns Alexandra, die hoteleigene Dolmetscherin, sie fährt gleich mit in die Arztpraxis, die Kommunikation vorgestern war halt doch etwas kläglich. Auch Marion und Peter fahren mit, kümmern sich auch wahnsinnig, danke dafür.

Die Behandlung dauert länger, Kokki bekommt eine Infusion und wieder die 5 Spritzen von vorgestern, es geht ihm aber gleich besser.
Die Diagnose wird um die Möglichkeit einer Bauchspeicheldrüsenentzündung erweitert, sein Blut wird untersucht und morgen dann auch Urin. Wir sollen morgen noch mal kommen, also bleiben wir schon noch mal für mindestens zwei Tage, wir stehen ja eigentlich ganz gut hier und erst muß Kokki wieder auf die Beine, bevor es weiter geht. ( 52°16’56.40″N, 104°16’25.53″E )

Tagesetappe:     0 km                    Gesamtstrecke:     8.308 km

 
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Verfasst von - 27. Mai 2013 in Uncategorized

 

Irkutsk, 2. Tag

Der „Sommer“ ist um.
So schnell geht das hier in Sibirien, gestern abend noch T-Shirt-Wetter und herrlich warm, letzte Nacht dann Regen und heute trübes Wetter, regnerisch und kalt.

Auf unserem Tagesplan steht sowieso nicht viel heute, mal ausruhen, einen „Bürotag“ einlegen, E-Mails holen und beantworten, Reiseberichte schreiben, Bilder sichten und sortieren, das Blog vervollständigen, mal ins Internet schauen, Kontakte in die Heimat pflegen, skypen, telefonieren.

…und natürlich unseren Kokki „pflegen“. Er macht kleine Fortschritte, ist aber sehr matt, mal sehen, wie sich das entwickelt, eventuell suchen wir die Tierärztin morgen nochmal auf. Auch Aspros ist ganz traurig, wenns der Schwester nicht gut geht, – allgemeines Stimmungstief, – passend zum Wetter.
( 52°16’56.40″N, 104°16’25.53″E )

Tagesetappe:     0 km                    Gesamtstrecke:     8.308 km

 
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Verfasst von - 26. Mai 2013 in Uncategorized

 

Irkutsk

Nach der Tortur von gestern schlafen wir heute mal richtig aus.
Um 10 Uhr hält uns dann aber nichts mehr, die Sonne lacht, es ist warm ! Endlich mal, ich habe schon nicht mehr dran geglaubt !

Der geniale Tag natürlich, um die Stadt zu erkunden, unser Stellplatz am Intourist-Hotel ist nicht sehr weit vom Zentrum, also gehen wir los.
Entlang der Angara, dem mächtigen Fluß, der die 600.000 Einwohner-Stadt durchzieht, mit ihrer herrlichen Uferpromenade, schön anzusehen, schön dort zu „promenieren“, der Blick geht hinüber ans andere Ufer, wo man die in den Irkutsker Bahnhof ein- und ausfahrenden Züge der Transsibirischen Eisenbahn sieht.
Wir kommen zum „Alexanderplatz“ mit Blick auf die „Insel der Jugend“, wo volksfestähnliche Stimmung herrscht, und dann weiter, hinein in die Karl-Marx-Straße mit ihren prächtigen Fassaden.

Es ist fast sommerlich warm, unser Kokki macht uns ein wenig Sorge, er schwächelt ein wenig. Nachdem er gestern schon nichts mehr gefressen hat, machen wir uns über ihn lustig, weil er am Tag vorher aus der Küchenspüle ein eingepacktes süßes „Hörnchen“ mit Püreefüllung geklaut (dafür ist unser Kokki ja bekannt) und komplett vertilgt hat. Dabei hat er sich wohl den Magen verdorben, ist ja alles megafett hier in Sibirien.

Später sitzen wir im Straßencafe bei einem leckeren Capuccino und ziehen dann weiter in die Fußgängerzone und auf den Markt.
Die Geschäfte in der Stadt und der Fußgängerzone sind irgendwie anders als bei uns, kleine oder gar keine Schaufenster, auch sind Straßencafes oder Lokale zum Draußensitzen in der Fußgängerzone echt Mangelware. Der Markt quillt über von Obst und Gemüse, knallbunt leuchtend, herrlich anzusehen, die prall gefüllten Stände mit frischen Sachen.
Es macht Spaß, den Leuten beim Samstagnachmittagbummel zuzusehen, alle sind gut drauf, offensichtlich leistet die Sonne ganze Arbeit und verschafft ihnen beste Laune, Straßenverkäufer bieten Eis an, Werbefiguren in Phantasiekostümen verteilen Prospekte, Zigeunerfrauen lesen aus der Hand, die Menschen tragen ihre Einkäufe vom Markt nach Hause, und wir finden endlich ein Lokal fürs Mittagessen.

Als Kokki noch vorher mal an einen Baum geht, sieht das nicht gut aus, rötlich, da ist Blut drin, wir sind beunruhigt. Später im Lokal beginnt er zu hecheln, erbricht das frisch getrunkene Wasser und wirkt apathisch, wir entscheiden, das nicht anstehen zu lassen, das ist mehr als ein verdorbener Magen. Gegenüber ist ein Taxistand, Marion und Heike gehen fragen und haben Glück. Der Taxifahrer ist selbst Hundefreund und Besitzer eines Boxers, er nimmt sie gleich auf und fährt Kokki und die beiden zu einer Tierärztin, wartet dort und bringt sie dann zurück an unseren Stellplatz. Peter und ich mit den beiden anderen Hunden gehen zu Fuß zurück. Sie diagnostiziert eine Infektion, offensichtlich ein Wurmbefall (obwohl wir eigentlich jede Menge Präventivmedizin in die beiden „reinpumpen“), verpasst ihm 5 Spritzen, offensichtlich Breitbandantibiotikum und kreislaufstabilisierende Mittel. Nun wird es wohl hoffentlich besser werden.

Am Abend sieht das schon besser aus bei Kokki, wir lassen die beiden mal allein zu Hause und gehen mit Marion, Peter und Dusty, Jochen und Lilly und Barbara und Uwe in den nahen Biergarten an der Promenade, Schaschlik essen, Bier trinken, die Abendsonne geniessen. Die vier Letztgenannten haben wir gestern hier am Platz kennengelernt, sind auch aus Deutschland (nein, Lilly, Jochens Hund ist Sizilianerin) und fahren mit ihren Toyotas ebenfalls in die Mongolei.
Auf der Promenade ist der Teufel los, noch spät am Abend flanieren massenhaft Menschen, in Russland wird derzeit der Schulabschluß gefeiert, überall ziehen „uniformierte“ und bunt geschmückte Entlassschüler über die Straßen, natürlich auch über die Promenade, Pärchen turteln an der Ufermauer, Skater ziehen ihre Runden, und, wie überall auf der Welt, lassen einige Jungs ihre PS-starken Autos aufheulen oder knattern mit ihren Motorrädern die Uferstraße hoch.
Noch später, im Wohnmobil hören wir es immer wieder mal und irgendwo wird nachts ein Feuerwerk gezündet.
( 52°16’56.40″N, 104°16’25.53″E )

Tagesetappe:     0 km                    Gesamtstrecke:     8.308 km