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Archiv für den Monat Juli 2013

Vom Teleckoe-See nach Altayskoe

Mit dem Wetter hier im russischen Altai ist das so eine Sache:
Die Nacht war relativ kühl hier am Fluß, das Gras ist patschnass, wie nach einem Regen, schon früh scheint die Sonne wunderbar, aber es ist schwül, mit 18 Grad eigentlich nicht besonders warm, aber bestimmt 85 % Luftfeuchtigkeit, das drückt unheimlich, im Nu ist alles durchgeschwitzt, alles ist klamm, die Wäsche von gestern ist über Nacht nicht wirklich trockener geworden, die Luft ist diesig, schon gegen 10 Uhr in der Frühe brauen sich am Horizont die ersten Gewitterwolken zusammen.

Wir füllen unsere Wasservorräte aus dem kristallklaren See und fahren zurück nach Gorno-Altaysk.
Der Rückweg führt über die selbe Strecke, es gibt nur die Eine, die Landschaft ist abwechslungsreich, Mittelgebirge, sattgrüne Auen, der Fluß begleitet uns, über den Bergen sieht es aus wie Nebel, die Luft quillt regelrecht, wird heute wohl nicht lange dauern, bis es wieder blitzt und donnert.

Gegen 14.30 Uhr sind wir in der Stadt, heute wollen wir doch noch mal das leidige Thema „Registratia“ anpacken und fahren gleich zu der Adresse „Ulitsa Kommunististeskij 68“ (das ist die Hauptstraße, die von vorne bis hinten durch die Stadt führt) des Reisebüros „Turfirma Aguna“, das mir vorgestern vom Immigration-Office empfohlen wurde. Dort treffe ich Ludmila Nikolaevna, sie spricht gut Englisch, mit ihr hatte ich ja schon telefoniert, sie weiß direkt Bescheid und erledigt das für uns. Ich gebe ihr unsere Pässe, die Visa und die beiden Immigrationcards, in zwei Stunden soll ich wiederkommen, dann sei alles erledigt.

In der Zwischenzeit gehen wir wenige Häuser weiter, ins „Traveller Cafe“ auf einen Capuccino und erledigen dort unsere Internet-Angelegenheiten.
Nach zwei Stunden sind wir fertig und gehen zurück ins Reisebüro, dort hat alles prima geklappt, wir zahlen 500 Rubel (12,50 Euro) pro Nase und alles ist gut !
Na also, ist doch eigentlich ganz einfach !

Dann noch schnell die üblichen Erledigungen, noch mal Geld tauschen, tanken, ein wenig einkaufen (in der Stadt gibt es Softeis, -wir können nicht widerstehen !) — und nichts wie raus aus der Stadt.
Wir fahren die Alternativstrecke nach Kasachstan, die uns Iwan empfohlen hat, die Strecke über Biysk und Barnaul sei eintönig und entsprechend langweilig, meint er.
Die Nebenstrecke führt noch einmal ein wenig durch die Berge, ist landschaftlich ansprechend und auch durchgehend asphaltiert, zudem mehr als 200 Kilometer kürzer als die Hauptstrecke.
Also zunächst ein Stück auf der M 52 zurück, dann rechts weg nach Aya.
Das kleine Städtchen ist ziemlich touristisch geprägt, bei den russischen Touristen sehr beliebt, so reihen sich an der Durchgangsstraße entlang, kleine Hotels, Zimmervermietungen, Restaurants, Cafe´s, Pubs und natürlich die unvermeidlichen Souvenirbuden, Quadverleiher und sogar ein Rummelplatz, also richtig was los;
— nichts für uns, also Gas und durch, — nichts wie weg !

Weiter Richtung Altayskoe, vielleicht findet sich unterwegs ein ruhiger Platz am Fluß.
Nicht ganz einfach, die Straße führt hinaus in die Berge, rechts und links der Straße führt wieder mal kein brauchbarer Weg irgendwo hin, und wenn, ist er so matschig, daß schon der Anblick reicht, um weiter auf der Asphaltstraße zu fahren, so zieht sich das viele Kilometer, hätten wir vielleicht doch lieber in der Stadt bleiben sollen ? …oder bei dem Rummel in Aya ?

Doch dann, wir sind schon fast entmutigt, am Ortseingang von Altayskoe, ein kleiner Stausee, eine kleine Anlage mit Holzhäuschen und einer kleinen Gaststätte davor, mit einem schönen großen Parkplatz, sieht alles nagelneu aus, kein Auto drauf, keine Seele da, der Platz ein wenig versteckt hinter Bäumen und Büschen, — einfach genial.
Hier stellen wir uns hin, wenig später fährt der Chef der kleinen Anlage vorbei, wir tauschen ein paar Nettigkeiten aus, ich frage beiläufig, ob es ein Problem sei, hier stehen zu bleiben und erhalte ein überzeugendes ok, wir seien herzlich willkommen.
Danke, wir bleiben. (51°54’51.66″N, 85°20’57.18″E)

Tagesetappe:     233 km                    Gesamtstrecke:     14.995 km

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Verfasst von - 31. Juli 2013 in Uncategorized

 

Von Gorno-Altajsk zum Teleckoe-See

Die Nacht ist dann doch noch ganz ok, der Regen hat irgendwann gegen 20 Uhr aufgehört, der Generator leider erst gegen viertel vor eins in der Nacht.
Dafür hat er uns dann heute früh pünktlich um 8 Uhr wieder geweckt, ist doch ein toller Service, und völlig kostenlos.

Na, wenigstens ist das Wetter besser, es ist warm, hie und da schaut die Sonne durch die letzten dicken Wolken, es bleibt trocken.

Wir fahren ostwärts, Richtung Teleckoe-See, die Straße ist asphaltiert, meist sogar richtig gut, nur hie und da gibts ein paar Wellen und Löcher.
Die Landschaft hier ist „mitteleuropäisch“, könnte irgendwo bei uns zu Hause sein, die Wiesen sattgrün, die Gräser hochgeschossen, Hecken, Sträucher, Bäume, Wälder, ein Bach oder kleiner Fluß schlängeln sich durch die Hügel, hie und da eine Rinderherde auf der Weide, oder in einem der kleinen Dörfer.

Dann fließt plötzlich die Bija neben der Straße lang, ein breiter Fluß, schnellfließend und sauber, einer der beiden Quellflüsse, die zusammen mit der Katun beim 300 Kilometer entfernten Bijsk den mächtigen Ob bilden.
In einem der kleinen Dörfchen fließt sie mitten hindurch, eine kleine Fähre bringt die Menschen auf die jeweils andere Seite.

Um die Mittagszeit sind wir dann in Artybash, dem Hauptort am Teleckoe-See. Mittlerweile hat sich dort ein wenig Tourismus entwickelt, es gibt einige kleine Gästehäuser und Ferienanlagen, kleinere Hotels sind am Entstehen, Bootsausflüge über den See werden angeboten, Kafe´s bieten Mittagstisch an und die üblichen Souvenirbuden stehen am Straßenrand. Wir fahren am See entlang, schmucke kleine Häuser stehen dort, Datschen, bis nach einigen Kilometern die Straße endet, dann wieder zurück.
Im Ort treffen wir auf diesen „Mega-Pickup“, den Eigenbau eines russischen Tüftlers, der sich diesen Traum aus einem alten GAZ-Lkw zusammengezimmert hat, stolz zeigt er ihn gerne den staunenden Passanten.

Nach einem Mittagessen verlassen wir den See wieder in westlicher Richtung, die Bija fließt aus ihm heraus, ist genauso klar wie der See selber, der hier der Baikal des Altai genannt wird, mit 80 Kilometern Länge und oft mehr als 300 Metern Tiefe wahrlich ein mächtiger See, wunderschön zwischen den Bergen eingebettet, zudem kristallklar, fischreich und so warm, daß er im Winter nicht gefriert.

Wenige Kilometer außerhalb finden wir einen wirklich schönen Stellplatz an seinem Ufer, sauber, gerade und schattig. Hier bleiben wir. (51°47’43.80″N, 87°13’01.92″E)
Heike macht ein wenig Wäsche, ich habe wieder mal einige Sachen zu „schrauben“, dann ist Ausruhen angesagt.

Tagesetappe:     141 km                    Gesamtstrecke:     14.762 km

 
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Verfasst von - 30. Juli 2013 in Uncategorized

 

Von Onguday nach Gorno-Altajsk

Das ist nicht nur ein Abendgewitter, zwar blitzt und donnert es nur kurz und heftig, der Regen aber bleibt die ganze Nacht, mal mehr, mal weniger, erst gegen Morgen hört er auf.

Nach dem Frühstück fährt ein Landy mit Wohnkoffer vor, ein Kölner Paar auf dem Weg in die Mongolei, wir ratschen kurz, sie kennen uns schon, haben gestern abend noch die beiden Österreicher getroffen, die von uns erzählt haben, wir geben an Infos weiter, was wichtig sein kann, auch wegen der Tierseuche, sie haben auch ihren Hund dabei, dann trennen sich unsere Wege.

Wir fahren die M 52 Richtung Gorno-Altajsk.
Eigentlich wollen wir nach etwa 80 Kilometer, bei Shebalino, die M 52 verlassen und unseren Weg über ein Seitental fortsetzen, Iwan hat uns diese Strecke erklärt, nicht besonders schwierig, aber absolut reizvoll. Allerdings beginnt es schon bald nach unserer Abfahrt wieder zu regnen, die Wolken hängen tief, die Berge sind verhängt, Sche…wetter, wir bleiben mal lieber auf der Hauptstrecke, das bringt heute nichts, zu sehen ist sicher gar nichts und auf unbefestigten Wegen wird es ziemlich schmierig werden.

Wir fahren weiter den Cujsker-Trakt entlang, mittlerweile gibt es öfters kleine Dörfchen an der Strecke, schön anzusehen, teilweise Bilderbuchidylle, schmucke, kleine Holzhäuser, viele alt, sehr alt, aber eine Augenweide, mit herrlich verzierten, hölzernen Fenstersimsen, oft blau angestrichen, mitten in einem eingezäunten Garten, der Zaum meist wunderschön schief, oft ein wenig marode, von drinnen leuchten Blumen, Dahlien, Stockrosen und natürlich viel Gemüse, alles, was das Herz begehrt, den obligaten Kartoffelacker sowieso, in einigen Gärten sehen wir kleine Gewächshäuser, hier ist wirklich noch Selbstversorgung angesagt.
Ja und vor so einem Garten steht dieses Gefährt hier: Machte sich wohl jemand kein Cabrio, sondern einen Pickup mit „Flex“.

Die Landschaft verändert sich, die Berge sind nicht mehr so hoch, eher mittelgebirgsartig, die schneebedeckten Berge sind verschwunden, wir fahren über den 1700 Meter hohen „Seminsky-Pass“, es ist windig und kalt, gerade mal 13 Grad sind es hier oben, dann geht es stetig bergab, der steppenähnlich karge Bewuchs wird abgelöst durch sattgrüne Wiesen; Bäume und Sträucher säumen Bäche und Flüße, hier regnet es nicht nur heute, eher oft, sonst würde dies nicht alles so wachsen und gedeihen.

Der Regen hört immer wieder mal auf, die Temperatur liegt nun bei schwülen 20 Grad, äußerst unangenehm heute.

Auf dem Weg nach Gorno-Altajsk kommen wir in Mayma am Gemüsemarkt vorbei, das lassen wir uns nicht entgehen und bunkern erst mal; Obst und Gemüse waren während unseres gesamten Mongolei-Aufenthaltes nicht gerade üppig auf unserem Speisezettel vertreten, das wird nun nachgeholt.

Über Gorno-Altajsk wollen wir weiter zum Teleckoe-See, der etwa 150 Kilometer weiter im Osten liegt.
Während unseres Rußland-Aufenthaltes müssen wir uns wieder einmal registrieren lassen, das haben wir bei unserer Anreise vor drei Monaten in einem internationalen Hotel machen lassen, das war völlig problemlos. Hier allerdings sind internationale Hotels dünn gesät, Iwan gab uns den Tip, dies in Gorno-Altajsk bei der Polizei zu machen, das gehe schnell und problemlos ! Ok, vielleicht für einen Russen, ich habe da so meine „kleinen Probleme“.
Durch Gorno-Altajsk kommen wir sowieso durch, unser Navi kennt auch das Polizeipräsidium, liegt sogar fast auf unserer Strecke, also kein Problem, hin und rein.
An der Pforte äußere ich meinen Wunsch, der Beamte tut sich schwer, glücklicherweise kommt gerade eine nette Kollegin vorbei, sie weiß Bescheid und hilft, sie schickt mich zwei Straßen weiter zu einer „Nebenstelle“, eine Art „Ausländerpolizei“, 4. Stock, dort sei ich richtig. Also hin, finden ist kein Problem, wieder an der Pforte, wieder mein Anliegen, „Im Prinzip ja, aber bitte über den Nebeneingang, und nicht 4. sondern 2. Stock“, — na also, geht doch, also rüber, 2. Stock, fragen, — „Im Prinzip ja, aber nicht 2. sondern 1. Stock“, — na prima, also runter, meinen Wunsch kundgetan, — „Ja, bitte, nebenan“. — Dort, nebenan sitzen vier junge Damen im Zimmer, ich äußere mein Begehren, aber niemand versteht mich, die Erste wendet sich zur Zweiten, fragt diese, die Zweite fragt wieder mich, ich äußere wieder mein Begehren, — sie fragt weiter, — ich verstehe nur Bahnhof, — dann nimmt sie ihr Handy und telefoniert……
…..plötzlich habe ich es am Ohr und eine Stimme fragt auf deutsch nach meinem Wunsch …….aha, clever, das Mädel, soll sich doch wohl die Vorgesetzte mit mir rumärgern, denke ich, logisch, zudem sie deutsch spricht  ……., ich äußere meinen Wunsch, soll das Handy wieder zurückgeben, kriege es dann noch einmal, werde noch etwas gefragt, antworte wieder, und werde durchs Telefon aufgefordert, „Können Sie mir bitte noch einmal meine Tochter geben !“  — Jetzt bin ich platt, nichts Vorgesetzte, hat sie doch die Mama angerufen, die deutsch spricht, um mir weiter zu helfen, –Klasse, einfach super !
Nach dem Telefonat wirds locker, mittlerweile stehen drei Mädels um mich rum, wir alle vier lachen miteinander, dann kriege ich eine andere Adresse aufgeschrieben, in der selben Straße, nur ein ganzes Stück weiter vorne, in Nr. 109 sei die zuständige Stelle. Ich bedanke mich vielmals, ziehe freundlich von dannen, obwohl ich innerlich schon ziemlich genervt bin.
Die Nr. 109 ist ein längliches Gebäude mit etwa vier Eingängen, an jedem ein Schild, lesen kann ich keines, gehe in den ersten, drinnen zwei Schalter, ziemlich modern, ein Uniformierter steht rum, ich warte den Kunden vor mir ab, dann bringe ich mein Anliegen auf Englisch vor, ich werde verstanden, hurra ! …und weggeschickt, naja nur einen Eingang weiter, und der freundliche Uniformierte begleitet mich sogar und zeigt mir den Weg.
Nun bin ich endlich da, bringe mein Anliegen wieder vor, ich möge einen Moment warten, es wird sich gleich jemand um mich kümmern. Aha, geht doch !
Nach zwanzig Minuten kommt tatsächlich jemand, eine nette junge Dame, läßt sich die Papiere zeigen, Reisepaß, Visa, Einreisezettel, doch nun versteht sie nur Bahnhof …..
……wir versuchen, das hinzukriegen, doch das wird nichts, innerlich drehe ich längst „am Rad“, was ist denn daran nur so schwierig ?, äußerlich bleibe ich gelassen und freundlich, hilft ja nichts ! …..dann habe ich plötzlich wieder einen Telefonhörer am Ohr, eine Stimme spricht auf Englisch mit mir, ich möge doch in das Reisebüro „Wasweißichwie“ kommen, gleich ein paar Häuser weiter, sie würde das für uns machen und gleich morgen können wir die Papiere dann wieder abholen. Oh toll, jetzt ist mein Hals aber wirklich zum Platzen dick, hoffentlich sieht man das nicht ! Ich bedanke mich freundlich, kriege von der netten Dame noch die Adresse aufgeschrieben und gehe.
Mann bin ich froh, daß ich draußen bin, die spi…. doch alle ! ich mach jetzt gar nichts mehr, es regnet draussen schon wieder, ich habe die Schn… endgültig voll, rein ins Auto und nichts wie weg, heute und morgen mache ich erst mal gar nichts mehr !!

Wir fahren zur Stadt raus, Richtung Teleckoe-See, wollen uns draußen ein lauschiges Plätzchen suchen, nichts wie weg, es schüttet mittlerweile aus Kübeln, hat immer noch schwüle 20 Grad, pahh, ist das eklig. Nach 20 Minuten sind wir aus der Stadt draußen, die Landschaft ist fettgrün, üppige Wiesen, Hecken und Bäume auf beiden Seiten, ein Fluß schlängelt sich an der Straße entlang. Mittlerweile ist alles so naß, daß an einen lauschigen Stellplatz am Fluß gar nicht mehr zu denken ist, absaufen würden wir, gnadenlos !
Also schauen wir nach einem irgendwie befestigten Platz, leicht gesagt, nicht mal ein befestigter Weg geht irgendwie seitlich ab, selbst im nächsten Dörfchen ist alles nur noch matschig, ein Steinbruch auf der linken Seite, naja, der Boden wäre ja ein wenig befestigt, dafür aber die steil aufragenden Wände nicht, schei…..benkleister.
Nach einer weiteren halben Stunde, auf einer kleinen Paßhöhe, ein kleiner Parkplatz, mit einer „Schaschlikbude“, naja, ziemlich dicht an der Straße, sicher kein Highlight, aber geschottert, hier bleiben wir, wird schon gehen. (51°53’52.32″N, 86°11’40.32″E)
Die Schaschlikbude kriegt ihren Strom vom Generator nebenan, das Ding brummt und geht wahnsinnig auf die Nerven, auf dem Schild mit den Öffnungszeiten am Eingang steht 8 bis 24 Uhr.   —   Na dann „Gute Nacht“.

Tagesetappe:     253 km                    Gesamtstrecke:     14.621 km

 
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Verfasst von - 29. Juli 2013 in Uncategorized

 

Von Chibit nach Onguday

Die Nacht ist irgendwie ungewohnt laut, die Cuja fließt hier wahnsinnig schnell, entsprechend laut rauscht der Fluß, das Tosen weckt uns immer wieder mal.
Nachts regnet es ein wenig, am Morgen aber ist der Himmel wieder blau, die Sonne sticht und schon früh ist die 20-Grad-Grenze überschritten.
Frühstück im Freien — schön !   Keine Mücken — noch schöner !
Um uns herum haben sich am späten Abend und in der Nacht noch einige russische Touristen mit ihren Zelten niedergelassen, es ist Wochenende, wir kennen dies schon vom Baikalsee und auch aus der Mongolei, daß man hier im Sommer gerne und viel rausfährt, einfach an einen See oder einen Fluß, schlägt sein Zelt auf, packt den Grill aus, und ist irgendwie überall zu Hause. Alle sind sehr kontaktfreudig, im Nu winkt uns jemand zu, oder kommt vorbei, leider ist es meist schwierig eine richtige Unterhaltung zu führen, aber für ein paar nette Worte oder Floskeln reicht es allemal, die Menschen sind absolut unkompliziert, aufgeschlossen und wahnsinnig freundlich.

Schon am frühen Morgen kommen einige Rafter die Cuja herunter, sie ist bekannt für ihre vielen Stromschnellen und wochenends ein beliebter Rafter-Treff.

Bis wir richtig loskommen, ist es schon nach 11 Uhr, naja, wir haben ja alle Zeit der Welt.

Wir fahren die M 52 weiter in nordwestlicher Richtung, die Landschaft ist, wie sie gestern auch schon war, umwerfend schön, „alpenländisch“, „russische Schweiz“, die Cuja schlängelt sich zwischen den Bergen hindurch, die Auen grün, mit Bäumen bewachsen, die Straße meist direkt daneben, der Asphalt ist gut, der Verkehr äußerst dünn, also ein gemächliches Cruisen durch einen der schönsten Teile Rußlands.

Am frühen Nachmittag kehren wir in einem „Gasthaus“ an der Strecke ein, direkt daneben betreiben die Inhaber in einem original achteckigen Altaier Holzblockhaus ein kleines Altai-Museum, von drinnen dringt wunderschöner Gesang nach draussen, das sehen wir uns an. Für 100 Rubel (2,50 Euro) pro Person führt uns der junge Altaier durch das Haus, es wirkt herrlich sauber, hell und einladend, er erklärt uns die Form und das Aussehen des Hauses, die zu niedrige Eingangstüre, damit man sich beim Eintreten bücken muß und somit eine gewisse Demutshaltung zwingend gegeben ist, die offene Feuerstelle in der Mitte, der Rauchabzug direkt darüber in der Mitte des achteckigen Spitzdaches. Entlang der Wände hängen Altaier Trachten und Kopfbedeckungen, die er uns erklärt, es gibt Gebrauchsgegenstände und Werkzeuge, alte Fotos und Bilder, sein Englisch holpert noch ein wenig, wir können aber das Meiste verstehen. Dann zieht er sich eine Tracht über, greift sein zweisaitiges Instrument und singt ein alt-altaiisches Lied, eine ganz besondere Art von Gesang, traditionell, wahnsinnig tief die Stimme, immer wieder im Wechsel mit hohen Kopftönen, klingt absolut exotisch, ist aber wunderschön.

Nebenan im Gasthaus, bei unserem unbeholfenen Versuch, ein Essen aus der nicht lesbaren russischen Speisekarte zu bestellen, spricht uns plötzlich eine Frau in feinstem Deutsch an und hilft uns, Solongy, heißt sie, und erklärt uns, daß das auf altaisch „Regenbogen“ heißt. Wir danken ihr und plauschen dann noch ein wenig, sie erzählt uns aus ihrem Leben, wir berichten von unserer Reise, sie lebt in Barnaul, unterrichtet an der Kadettenschule und schreibt uns auch gleich ihre Telefonnummer auf, für den Fall, daß wir irgendwie Hilfe benötigen sollten. Sie erzählt uns, daß sie irgendwann gerne einmal Deutschland besuchen würde, Heike gibt ihr unsere Telefonnummer, damit sie sich gerne mal bei uns meldet, wenn sie denn dort ist.
Dann klären wir gleich noch das Thema mit der Uhrzeit. Eigentlich hatte ich im Internet nachgelesen, daß die Zeitverschiebung zu Deutschland von plus 6 Stunden, wie wir sie jetzt fast 50 Tage in der Mongolei hatten, auch für die Republik Altai in Rußland gelten soll, bis hin zur kasachischen Grenze. Allerdings hatte ich schon an der russischen Grenze beim Veterinär eine Wanduhr gesehen, die lediglich ein plus von 5 Stunden angezeigt hat, später im Restaurant noch eine Zweite.
Solongy bestätigt uns, daß die Zeitrechung hier im russischen Altai plus 3 Stunden auf die Moskauer Zeit, also 5 Stunden auf die deutsche Zeit ist, wie die Abweichung zu den Angaben im Internet zustande kommt, können wir nicht klären. Also, ab sofort stellen wir unsere Uhr um, heute ist unser Tag eine Stunde länger.

Draußen vor der Tür treffen wir auf David und Stefan vom österreichischen Bodensee, die gerade mit ihrem Geländewagen vorgefahren sind, sie waren 30 Tage in der Mongolei und sind nun auch auf dem Rückweg, wir unterhalten uns lange, fast zwei Stunden, trinken Kaffee zusammen, nette Jungs, dann fahren sie.

Wir auch, viel Strecke haben wir heute nicht gemacht, aber Spaß gehabt und nette Unterhaltungen, ein klasse Tag.

Wir fahren noch knapp eine Stunde, dann finden wir kurz vor Onguday einen schönen Stellplatz am Fluß, trocken, gerade und etwas ruhiger als der Letzte. (50°43’50.58″N, 86°14’37.68″E)
Kaum stehen wir 10 Minuten, kommt ein 4 x 4 Bus angerauscht und hält neben uns, Iwan und seine beiden Kumpels, die wir vor Tagen in der Mongolei schon einmal getroffen haben, sind zurück von ihrem Ausflug und fahren heute noch bis Barnaul, wo sie wohnen.
Sie haben unser Gefährt von der Straße aus gesehen und haben es sich nicht nehmen lassen, noch mal vorbeizuschauen, Iwan spricht gutes Englisch und erklärt uns zwei wunderschöne Strecken durch den russischen Altai, den er kennt, wie seine Westentasche, außerdem zeichnet er uns noch eine Route in die Karte, die er im Mai nach Kasachstan gefahren ist, und die er uns wärmstens empfiehlt.  Dann fahren sie, sie haben noch ein Stück Weg vor sich.

Am gegenüberliegenden Hang, etwas unterhalb des Lärchenwaldes sehen wir schon seit wir hier „gelandet“ sind, einige Leute, die irgendetwas sammeln, Heike ist neugierig, zieht die Gummistiefel an, schnappt sich eine Schüssel und geht einfach mal schauen, was es da zu sammeln gibt. Nach knapp einer Stunde kommt sie zurück mit einer Schüssel voller herrlicher Walderdbeeren, — ein Traum, schon beim Ansehen. Wir schlagen uns den Bauch voll und verziehen uns nach drinnen, bevor das „Abendgewitter“ drüberzieht.

Tagesetappe:     132 km                    Gesamtstrecke:     14.368 km

 
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Verfasst von - 28. Juli 2013 in Uncategorized

 

Von Kosh-Agach nach Chibit

Die Nacht ist friedlich und ruhig, der Morgen grüßt mit Sonnenschein, verspricht, sich mit den Temperaturen ein wenig mehr anzustrengen.

Von Kosh-Agach fahren wir die Magistrale M 52, den sogenannten Cujsker Trakt, nach Nordwesten.
Der Cujsker Trakt ist eine über 600 Kilometer lange Verbindungsstraße, die zwischen 1903 und 1913 zunächst als Weg für Pferdegespanne vom russischen Bijsk bis in die Mongolei, mitten durch das Altaigebirge gebaut wurde. Sie schlängelt sich durch eine wunderschöne „Alpenlandschaft“, entlang der beiden Flüsse Katun und Cuja, der der Straße ihren Namen gibt. Erst in den 1920er Jahren wurde sie als Straße befestigt und ist bis heute die einzige Verbindung der Mongolei in westlicher Richtung.

Die Landschaft ist beeindruckend, schon Kosh-Agach ist von schneebedeckten Bergen umgeben, die Ebene ist weitläufig, naß und teilweise sumpfig, viele kleine Seen bieten einen paradiesischen Lebensraum für alle Arten von Vögel.
Die Cuja beginnt schon hier, sich durch die Ebene zu schlängeln und wird uns wohl einige Tage begleiten.
Wenig später verjüngt sich die weite Ebene zu einem relativ engen Tal, Straße und Fluß schlängeln sich zwischen den teilweise mit Schnee und Gletschern bedeckten Bergen, die hier bis fast 4.500 Meter hoch sind, hindurch, plötzlich stehen Bäume entlang des Flußes, ein völlig ungewohnter Anblick.
Später werden aus den Bäumen entlang der Cuja und an den Nordhängen der niedrigeren Berge ausgedehnte Lärchenwälder, sie verleihen dem Tal einen „alpenländischen“ Charakter, die meiste Zeit über fühlen wir uns irgendwo in der Schweiz oder in Österreich.
Lediglich die „Almwiesen“ sind nicht ganz so üppig und sattgrün, hier ist der Bewuchs viel spärlicher, als Farben überwiegen eher gelb und braun, wir sind unverkennbar noch immer in der Steppe. Die Blumen jedoch stehen herrlich bunt und kräftig überall in den Auen, die Vielfalt an Arten, Formen und Farben ist beeindruckend.
Immer wieder halten wir an, machen Fotos oder sehen uns besonders schöne Exemplare an.

Das Altaigebirge mit bis zu 4.500 Meter hohen Bergen erstreckt sich über 2.000 Kilometer von der mongolischen Südgobi in Richtung Nordwesten bis fast hinauf nach Barnaul, südlich von Novosibirsk.
Im Süden der Mongolei noch der „Gobi-Altai“, weiter nordwestlich dann der „Mongolische Altai“ und noch weiter nordwestlich im „Vierländereck Mongolei – China – Rußland – Kasachstan“ dann der „Russische Altai“ bzw. der „Kasachische Altai“. Eine der schönsten Landschaften der Mongolei und Sibiriens, nahezu unberührt, die „Altaier“ gehören zu den Turkvölkern, leben im Einklang mit der Natur, meist als Selbstversorger, und huldigen dem Schamanismus.

Schon bald kommen wir nach Aktash und dann nach Chibit, hier in der Nähe fahren wir an einem so wunderschönen Platz direkt an der Cuja vorbei, daß wir nicht widerstehen wollen und bereits am frühen Nachmittag stehenbleiben, das kleine Tal am Fluß ist zudem stechmückenfrei, schon seit Tsagaannuur haben sich die angreifenden Geschwader wieder beruhigt, das Wetter paßt auch, es ist angenehm warm und sonnig, — endlich wieder mal. (50°19’42.12″N, 87°28’17.34″E)

Tagesetappe:     111 km                    Gesamtstrecke:     14.236 km

 
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Verfasst von - 27. Juli 2013 in Uncategorized

 

Von Tsagaannuur (Mongolei) nach Kosh-Agach (Rußland)

Eigentlich hatten wir vor, die nächsten Tage noch den äußersten Nordwesten der Mongolei zu bereisen, die Stadt Ulaangom, etwa 230 km östlich, und den großen „Uvs-Nuur“, einen streng geschützten See, der noch einmal etwa 50 Kilometer weiter im Osten liegt. Zeit haben wir noch eine gute Woche bis zur Ausreise, das reicht, um die Tour ohne Stress mitzunehmen.
Allerdings haben wir in den letzten Tagen mit einigen Reisenden gesprochen, alle warnen uns vor dem Ausflug, eine kleine Gruppe Motorradfahrer, mit denen wir gesprochen haben, wollte vor etwa 10 Tagen die Route befahren umd musste nach einigen Kilometern umkehren, die Strecke ist dermaßen naß und schlammig, daß selbst für Reise-Enduros kein Durchkommen mehr ist, an ein Befahren mit dem Auto ist erst gar nicht zu denken, es hat in der Region wohl heftig geregnet, überall sind die Wege überspült, der Boden aufgeweicht, das macht überhaupt keinen Sinn. Also muß dieser letzte Zipfel wohl ohne unsere Aufwartung weiterleben.

Auch sitzt uns ein wenig Bammel im Nacken wegen der Tierseuche, die hier direkt in der Nähe seit Tagen herrscht, es gibt nur diesen einen Grenzübergang hier im Westen, sollte dieser wegen einer eventuellen Ausweitung des Seuchengebietes gesperrt werden, haben wir schlechte Karten, müssen dann durch die gesamte Mongolei zurück zum Grenzübergang Altanbulag, nördlich von Ulaan Baatar, Richtung Baikalsee, über den wir eingereist sind, das würde eine zusätzliche Strecke von mehr als 2.200 Kilometer quer durch die Mongolei bedeuten, bei den Pisten, die wir zum Teil schon auf dem Weg hierher benutzt haben, eine Schinderei von mindestens 12 Tagen, das würden dann auch unsere Visa nicht mehr hergeben.

Also beschliessen wir, gleich heute noch aus der Mongolei auszureisen und uns dann halt etwa eine Woche länger im russischen Altai aufzuhalten, dort soll es nach den Beschreibungen anderer Reisender ebenfalls wunderschön sein.

So fahren wir gleich nach dem Frühstück über Tsagaannuur in Richtung Grenzübergang, die Piste ist wie immer, es hoppelt und rumpelt, aber man gewöhnt sich ja an alles.
Bei der Anfahrt nach Tsagaannuur halten wir immer wieder Ausschau nach einer weiteren Kontrollstelle wegen der Tierseuche, es gibt aber keine mehr.
Das Wetter hat sich über Nacht leider nicht wesentlich gebessert, heute wieder nur 11, später 13 Grad, allerdings hat der eklige Wind jetzt aufgehört.

Gegen 11 Uhr sind wir an der mongolischen Grenze, noch ist das Tor geschlossen, es stehen vier Fahrzeuge vor uns, beim nächsten Öffnen werden drei eingelassen und abgefertigt, nach etwa 15 Minuten sind wir dann dran. Wir fahren in die Abfertigungsstelle, ich gehe mit den Papieren los, es geht alles ziemlich flott und ohne Probleme, der Veterinär kommt und schaut sich Aspros kurz aus der Ferne an, zwei Zöllner sehen kurz in die Wohnkabine, dann kriegen wir unsere Stempel, die Fahrzeugausfuhr wird bestätigt, der Laufzettel unterschrieben, — das wars schon, 150 Meter weiter hinten ein letzter Kontrolleur, Laufzettel ok, kurzer Blick auf die Papiere, auch ok, in knapp einer Stunde ist alles erledigt, das Tor öffnet sich, wir sind weg  — Tschüs Mongolei und vielen Dank für Deine Gastfreundschaft !

Die Mongolei, ein irrsinnig schönes Land, riesig groß, Natur, die uns jeden Tag von Neuem fasziniert hat, Menschen, die freundlich sind, ohne jeglichen Vorbehalt, kontaktfreudig bis hin zur Neugier, immer und überall wurden wir freundlich angesprochen, immer unaufdringlich, hilfsbereit und respektvoll, wir haben uns kaum irgendwo anders so frei und sicher gefühlt wie in diesem Land.
Fast 50 Tage sind wir nun durch die Mongolei gefahren, haben wahnsinnig viel gesehen und erlebt, noch einmal 50 Tage und wir hätten noch immer nicht alles gesehen, ein Land mit unerschöpflichen Möglichkeiten, mit einem riesigen Potential, Wahnsinn !
Die Straßen sind halt ein kleiner Wermutstropfen, ich glaube nicht, daß es irgendwo auf der Welt noch Schlechtere gibt, Traveller, mit denen wir uns unterhalten haben, die schon Südamerika, Fernost oder Afrika bereist haben, bestätigen das, auch wir haben ja schon so manches Land dieser Welt befahren, so etwas haben wir noch nirgendwo gesehen, aber wir hatten ja davon gehört, nur vorstellen konnten wir uns das so nicht, das muß man eben selbst erfahren haben.
Irgendwie gehören diese Straßen jedoch auch dazu, sind ein Stück Mongolei, das ist halt so, sie zwingen zur Langsamkeit, Zeit und Ruhe haben einen anderen Stellenwert als anderswo, das Erleben des Landes wird dadurch wesentlich intensiver.

Noch ein Wort zur Spritversorgung in der Mongolei. Benzin und Diesel sind in fast jedem Ort verfügbar, da gibt es keinerlei Probleme, in den größeren Orten gibt es oft eine unglaubliche Vielzahl an Tankstellen. Im Gegensatz zu Rußland, wo es überall auch den etwas teureren, dafür aber besseren Euro-Diesel gab, gibt es in der Mongolei „nur“ den normalen Allerweltsdiesel, die Qualität aber ist absolut in Ordnung. In der Mongolei sollte man halt immer dafür sorgen, rechtzeitig nachzufüllen und nicht auf dem letzten Zahn zu fahren, oft unterschätzt man die Entfernungen und den erhöhten Verbrauch, der die Tanks schneller als üblich leer werden läßt. Der Preis für Diesel liegt fast durchweg einheitlich bei etwa 1800 bis 2000 Tugrik, was etwa 1 Euro pro Liter entspricht. Für die modernen „Ad-Blue-Fahrzeuge“ gab es in Rußland bis fast zum Baikalsee „Ad-Blue“ an vielen Tankstellen, später dann in den Autozubehör-Geschäften, die entlang der Magistralen und in den Städten ständig anzutreffen sind, in der Mongolei gibt es kein „Ad-Blue“.

Dann fahren wir etwa 10 Kilometer, dort erwartet uns ein erster russischer Grenzposten, notiert Kennzeichen und Personenzahl und schickt uns 20 Kilometer weiter zur Grenzabfertigung in Tashanta.
Direkt an diesem ersten Kontrollposten beginnt Rußland, — und eine gut ausgebaute Asphaltstraße, welch ein Luxus, welches Gleiten durch die Landschaft !
In Tashant angekommen, fahren wir durch ein Desinfektionsbad und stellen uns neben das einzige wartende Fahrzeug, einen Geländewagen aus Kasachstan.
Ein Zöllner kommt, und anstatt er uns das Tor zum Einfahren öffnet, schließt er es ab und geht ! Was nun ?
Naja, wir warten, die beiden Kasachen auch, nach einer halben Stunde beginnen wir ein Gespräch, einer der beiden, Berik ist sein Name, spricht sogar brauchbar Deutsch und freut sich, dies mal wieder anwenden zu können. Er erklärt uns, daß jetzt erst mal zwei Stunden Mittagspause sei, also gut, Grenze dicht, Tor zu, — Mittag ! Na bravo !
Aber warum nicht, so haben wir viel Zeit, mit den beiden Kasachen zu plaudern, ehemalige Polizeioberste in Pension, fahren öfters in die Mongolei, waren auch schon in Deutschland und Italien, aufgeschlossene Menschen, wir reden über Gott und die Welt und sie geben uns Tips für unseren bevorstehenden Kasachstanbesuch. Berik gibt uns seine Telefonnummer, wenn wir irgendwelche Probleme in Kasachstan haben sollten, sollen wir nicht zögern und ihn anrufen, er wird uns gerne helfen.

Punkt 15 Uhr öffnet sich das Tor und wir können reinfahren zur Abfertigung, auch das geht problemlos, Einreisepapiere ausfüllen, Fahrzeugeinfuhrpapier ausstellen lassen, der Veterinär kommt, ich gehe mit ihm in sein Büro, er schreibt ein ewig langes Attest, alles ist gut, Fahrzeugkontrolle, zwei Zöllner schauen in die Wohnkabine, ein kurzer Blick in drei Schränke reicht ihnen, wir kriegen unseren Stempel, dann noch ein Papier und noch ein Stempel und schon ist alles erledigt, 1 1/2 Stunden, dann zum zweiten Tor raus in das Dörfchen, dort noch einmal zum Immigration-Office, dort wird noch einmal nachgeschaut und abgestempelt, dann sind wir durch.
Wir sind wieder in Rußland angekommen, auch dieser Teil, westlich der Mongolei, die „Autonome Republik Altai“ gehört noch zu Sibirien.
Die gesamte mongolisch-russische Abfertigung dauert etwa 2 1/2 Stunden, dazu halt noch zwei Stunden Mittagspausen-Wartezeit, aber es war alles korrekt und in Ordnung.

Wir fahren noch etwa 70 Kilometer bis Kosh-Agach, auf Asphalt ein einziger Husch.
Dort besuchen wir gegen Abend mal wieder ein Restaurant und finden dann im Außenbereich der Ortschaft, am Krankenhaus einen schönen und ruhigen Stellplatz. (50°00’58.92″N, 88°40’13.20″E)

Tagesetappe:     125 km                    Gesamtstrecke:     14.125 km

 
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Verfasst von - 26. Juli 2013 in Uncategorized

 

Von Tolbo nach Tsagaannuur

Das Wetter hat sich seit gestern abend nicht wesentlich gebessert, die Nacht ist ungewöhnlich kalt, vorgestern noch bis 33 Grad, gestern abend dann nur noch 13 und heute beginnt der Tag mit 11 Grad, die Wolken hängen tief, es ist wie im November, windig und eklig, hie und da fällt ein kleiner Regenschauer. Und auch den gesamten Tag über wird es nicht wesentlich wärmer, 13 Grad, am Mittag dann, als die Sonne mal kurz zum Vorschein kommt auch mal 18 Grad, bis zu einem kleinen Hagelschauer, dann sind es wieder nur noch 11 Grad. Naja, morgen ist ein neuer Tag …..

Von unserem Nachtplatz, wenige Kilometer vor dem Ort Tolbo, fahren wir weiter auf der A0305 in nördlicher Richtung, die Piste ist ganz anständig, nicht zu wellig und kaum tiefe Schlaglöcher.

Nach wenigen Kilometern kommen wir an den Tolbo-See, einen 185 qkm großen Salzsee, wunderschön vor den Bergen des „Mongolischen Altai“ gelegen, Sonne und Wolken hinterlassen einen schön anzusehenden Fleckenteppich auf dem Wasser und den dahinterliegenden Berghängen.

Schon hier endet die brauchbare Piste wieder, es wird wieder mal gebaut, zig kilometerlang, die Piste ist gesperrt und alle Fahrzeuge pflügen sich irgendwo rechts oder links der eigentlichen Piste durch die Steppe, die hier ziemlich sumpfig ist. Entsprechend groß scheint die Plage der Stechmücken zu sein, alle Bauarbeiter tragen Hüte mit Moskitonetzen über dem Gesicht, sieht irgendwie komisch aus, erscheint uns aber eine sehr sinnvolle Einrichtung.
Hie und da können wir auf die frisch geschotterte Neubaustrecke auffahren, es herrscht reger Baustellenverkehr, es staubt jämmerlich, wenn ein großer Baustellenlaster vorbeirauscht, wird es erst einmal Nacht, bis der Wind wieder für Tageslicht sorgt.

Wegen der Tierseuche, die hier in der Region westlich der Stadt Ölgii herrscht, fahren wir mit einem etwas mulmigen Gefühl mit unserem Aspros Richtung Stadt.
Vorgestern schon, bei der Ausfahrt aus dem 250 Kilometer entfernt liegenden Khovd haben wir eine Desinfektionsanlage gesehen, die dort aufgebaut war, allerdings nur für den Verkehr aus Richtung Norden kommend.
Sicherheitshalber hat sich Heike mal mit Aspros nach hinten in die Kabine verzogen und alle Schotten dichtgemacht.
Bei der Anfahrt nach Ölgii ist die Straße oberhalb der Stadt komplett gesperrt, ich sehe ein Desinfektionszelt und Uniformierte, die mit einem stadtauswärtsfahrenden Fahrzeug beschäftigt sind. Zunächst kümmert sich niemand um mich, also gehe ich mit unseren Papieren mal rein, alle sind freundlich, das Kennzeichen und die Zahl der (zweibeinigen) Passagiere (nach dem Vierbeiner fragt mich niemand) wird in einem Buch notiert, dann öffnet sich der „Schlagbaum“, wir können fahren, allerdings muß ich vorher HerrMAN´s Räder durch ein Desinfektionsbad bewegen, dann sind wir weg.
Später, bei der Ausfahrt aus Ölgii in Richtung Norden steht außerhalb der Stadt wieder ein Kontrollposten, allerdings kein Desinfektionszelt. Ein Uniformierter fordert mich zum seitlichen Anhalten auf (ich bin alleine, Heike und Aspros sind wieder rechtzeitig auf Tauchstation gegangen), möchte die Papiere. Ich händige sie ihm aus und gehe mit ihm in das Zelt auf der anderen Seite, dort wird wieder das Kennzeichen und die Zahl der (zweibeinigen) Passagiere notiert. Dem Uniformierten fällt auf, daß ich doch eben im Fahrzeug alleine war und fragt nach dem zweiten Passagier, daß dieser hinten in der Kabine sei und gerade schlafe reicht ihm als Antwort, ich möge mir die Schuhe in dem kleinen Desinfektionswännchen dort drüben noch abtreten, dann wünscht er mir eine „Gutte Raise“ und ich kann gehen.

Ölgii, das Zentrum des Bayan-Ölgii-Aimag, liegt in einem Talkessel, umrahmt von Bergen, ein mächtiger Fluß schlängelt sich hindurch.
Die Stadt ist überwiegend von Menschen kasachischer Abstammung bewohnt, das sieht man, das merkt man, sie sehen anders aus, sie kleiden sich anders, sie fahren eher „russische“ Geländewagen, weniger asiatische Fahrzeuge sind auf der Straße, die Kasachen sind moslemischen Glaubens, Ölgii ist das Zentrum des Islam in der Mongolei.

Bei der Einfahrt in die Stadt begegnen uns Rita und Robert aus der Schweiz mit ihrem silbernen Mercedes-Truck, wir unterhalten uns eine Zeit lang, sprechen über Wege und Straßen, über mögliche Routen, die Wasserbeschaffung und andere Dinge, wir können ihnen, die gerade erst eingereist sind, einige wertvolle Tips mit auf ihre Mongolei-Reise geben.

Ölgii ist ein quirliges, geschäftiges Städtchen, überall „wuselt“ es, die Menschen haben zu tun, wir schauen kurz am Markt vorbei, dort geht es schon zu wie auf einem orientalischen Basar. Heike macht ein paar schnelle Erledigungen in der Stadt, dann ziehen wir weiter.
Auch die Ger´s in den Außenbezirken sind anders, sind eher wieder Jurten, die mongolischen Ger´s haben relativ flache Dächer, diese hier sind höher, meist sind sie kasachischer oder auch kirgisischer Herkunft.

Aus der Stadt hinaus führt eine komfortable Asphaltstraße, sie heißt jetzt A0306, nach der „Seuchenkontrolle“ kommen wir flott voran, erst nach etwa 20 Kilometern ist Ende mit der gemächlichen Fahrt, es wird wieder kilometerlang gebaut, die Ersatzpisten führen wieder durch das Nichts.

Entlang der Strecke sehen wir immer wieder Murmeltiere, einzeln, oder in kleinen Gruppen, die dort in den Hängen sitzen und spielen, wir bleiben öfter stehen und beobachten sie mit dem Fernglas.

Irgendwann führt die Neubaustrecke auf einen Paß hinauf, die Aussicht ist wieder mal gigantisch, viel Zeit zum Schauen haben wir allerdings nicht, die volle Konzentration sollte hier der Straße gehören, denn dort versucht man gerade eine neue Paßüberquerung zu bauen, die alte, die wir befahren, ist irgendwie kaum noch zu erkennen, alles ist voller Spuren der Bau-LKW´s, welche ist wohl die Richtige ?, — unsere wohl eher nicht ! — sie endet irgendwann nach etwa 500 Metern in einem Steinbruch, auf einer Absturzkante von etwa 6 Metern Höhe, — hoppla, war wohl nichts !  — Also, Kommando zurück, den halben Berg wieder hoch, zwischen den Baggern und Steinmühlen durch, auf die andere Seite und dort langsam den steilen, immer wieder etwas schmierigen Hang hinunter, unten die sandige Hoppelpiste weit durch das Tal entlang, dann treffen wir irgendwann auch wieder auf die ehemalige Schotterpiste. Also ! — geht doch !
Wenig später kommen wir an der zur Neubaustrecke gehörenden Asphaltkocherei vorbei, vermutlich wird auch hier mit alten Autoreifen angeheizt, wie wir es schon einmal im Landesinneren gesehen haben, die dicken, schwarzen Qualmwolken, die aus dem Schornstein kommen, deuten jedenfalls darauf hin.

So bald wir aus diesem „Dunstkreis“ heraus sind, wenige Kilometer vor Tsagaannuur, suchen wir uns einen schönen und ruhigen Stellplatz, mitten in der Steppe. (49°23’51.60″N, 89°49’52.56″E)

Tagesetappe:     129 km                    Gesamtstrecke:     14.000 km     (…das ist nicht gerundet, geschätzt oder hingetrickst, nein das hat sich heute genau so hingerechnet !)

 
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Verfasst von - 25. Juli 2013 in Uncategorized