RSS

Archiv für den Monat August 2013

Bukhara

Heute ist wieder ein wenig Ruhe angesagt.
Nachdem wir gestern wesentlich mehr Besichtigungsprogramm geschafft haben, als geplant war, gehen wir es heute ruhig an.

Gleich nach dem Frühstück, es ist noch nicht so heiß, gehen wir die Zitadelle „Ark“ besichtigen, nur wenige Meter neben unserem Stellplatz.
Sie ist auf einem 20 Meter hohen Felsen erbaut, von einer mächtigen Ziegelsteinmauer umgeben und diente den einstigen Herrschern Bucharas als Regierungssitz.
Heute ist dort ein Museum untergebracht, von oben hat man einen recht schönen Blick über die Stadt.
Im Inneren der Festung sind noch Reste des Thronsaales und die Moschee zu sehen, im Museum werden Schmuck, Keramik- und Kupfergefäße, Waffen und Bekleidung ausgestellt, in einer gesonderten Abteilung gibt es eine große Ausstellung alter Münzen und Darstellungen über deren Herstellung.

Direkt gegenüber dem Eingangsportal ist die „Moschee Bola Xauz“ aus dem Jahr 1712 zu sehen, schön in einem Garten gelegen, komplett restauriert und heute wieder als Moschee betrieben. Auffallend ist die überdachte Fassade, die Überdachung wird von 20 geschnitzten Holzsäulen mit ebenfalls hölzernen Kapitellen getragen.

Auf der Rückseite der Zitadelle und durch einen unterirdischen Tunnel verbunden liegt das „Zindan-Gefängnis“, wie nicht anders zu erwarten, kein prunkvolles Bauwerk, halt schlicht und zweckdienlich, heute befindet sich auch dort ein Museum.

Den Rest des Tages verbringen wir mit Müssiggang, ich schreibe ein wenig, bin dann mal im Hotel, Internet erledigen und noch mal ein wenig Geld umtauschen, Heike geht nachmittags mal kurz in den Basar, noch ein paar typische Mitbringsel besorgen, einen Kaffee trinken.

Am Abend finden wir uns wieder im „Chasmai Mirob“ ein, dem Lokal mit der schönen Dachterrasse, diesmal ein wenig früher, damit wir den Sonnenuntergang noch mitkriegen.
Auf dem Rückweg noch mal kurz im Hotel vorbei, mit Deutschland skypen.
In der Lobby treffen wir ein interessantes Paar aus England, sie sind mit dem Fahrrad gekommen und werden in einigen Tagen weiterradeln, über Turkmenistan auf den Pamir-Highway mit dem Endziel Indien. Wir unterhalten uns eine ganze Zeit, tauschen Erfahrungen aus und wünschen uns dann gegenseitig einen guten Weg.  (39°46’35.88″N, 64°24’42.18″E)

Tagesetappe:     0 km                    Gesamtstrecke:     20.203 km

Advertisements
 
2 Kommentare

Verfasst von - 31. August 2013 in Uncategorized

 

Von Kasan nach Bukhara

Die Nacht war angenehm frisch, fast schon ein wenig kühl, es bläst ein heftiger Nordwind, der Himmel ist blau, der Horizont aber heftig eingetrübt, außerhalb unserer Oase ist überall Wüste und der Wind wirbelt Sand und Staub wie Rauchschwaden durch die Luft.

Unser Stellplatz ist schön schattig, wir frühstücken im Freien, dann fahren wir los, auf die A 380, Richtung Bukhara.
Die Straße ist eher schlecht, zwar breit wie immer, aber ziemlich aufgefahren und wellig, es ist eine ständige Slalomfahrt, die ich vollbringe, richtig flott vorwärts geht das nicht, auch wenn immer wieder mal recht gute Passagen dabei sind.

Die Landschaft ist eher eintönig und flach, rechts und links unseres Weges ist Wüste, alles ist strohtrocken, fast vegetationslos, lediglich ein paar Tamariskenbüsche sind immer wieder mal  zu sehen.
Hier wird offensichtlich Erdöl gefördert und verarbeitet, wir sehen mindestens zwei große Raffinierien, dazu führt eine Bahnlinie dorthin, Kesselwagen stehen massenhaft an einem Bahnhof.
Ein Stück weiter wird die Landschaft schneeweiß, viele Häuser und Fabrikanlagen auch, es wird Gips abgebaut und verarbeitet, wir passieren ein großes Knauf-Werk.

Gegen 13 Uhr kommen wir in Bukhara an, fahren den Stellplatztip „Hotel Semurg“ an, das Hotel gibt es aber wohl nicht mehr, dort ist jetzt die Verwaltung einer großen Gasfirma ansässig. So fahren wir erst mal Richtung Altstadt, mal schauen, was sich so ergibt.
Der Parkplatz an der Zitadelle „Ark“ ist uns erst mal recht, unter einem hohen Baum wird gerade ein schattiger Parkplatz frei, das paßt.
Direkt daneben ist das Hotel Caravan, ich schaue mal rein, und werde fündig, — für einen kleinen „Unkostenbeitrag“ kriegen wir (k)ein Zimmer für zwei Nächte und die passende Registrierungskarte dazu, die wir an der Grenze brauchen, können unsere Wäsche für brauchbares Geld waschen lassen und uns am WiFi-Internet bedienen, — genial, hier bleiben wir für heute und morgen stehen. (39°46’35.88″N, 64°24’42.18″E)

Von hier sind es nur wenige Meter in die Altstadt und als die Sonne nicht mehr so heftig knallt, gehen wir auf Besichtigungstour.
Bukharas Sehenswürdigkeiten sind im Prinzip alle in der autofreien Altstadt aufgereiht und bestens in einem schönen Nachmittagsspaziergang zu erreichen.
Durch den „Shariston-Basar“ die „X. Nurabad Ko´chasi“ entlang zum Ensemble „Kalon-Moschee“, „Minarett Kalon“ und „Medrese Miri Arab“.
Die „Kalon-Moschee“ aus dem frühen 16. Jahrhundert, im traditionellen Vier-Iwan-Stil erbaut, wird von 300 kleinen Kuppeln überspannt, die wiederum von 200 Säulen getragen werden, die Hauptkuppel mit ihren hellblau glänzenden Kacheln leuchtet prachtvoll weit über die Altstadt.
Daneben das Wahrzeichen Bukharas, das 50 Meter hohe „Minarett Kalon“ aus dem 12. Jahrhundert, ein schöner Pylon aus beigen, reich verzierten Ziegelsteinen mit einem großen Rondell mit 16 kleinen Fenstern an seiner Spitze.
Direkt gegenüber der Moschee dann die „Medrese Miri Arab“ aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, mit ihren beiden Rundtürmen, ebenfalls blau gekachelt, die Fassade wunderschön verziert mit blau-weißem Mosaik, geometrischen Ornamenten, Ranken und Schriften.

Dann weiter durch den „Toqi Zargaron“, den kleinen, überdachten Basar der Juweliere, hin zu den beiden gegenüberliegenden Medresen „Ulugbek“ und „Abdulazizxon“.
„Ulugbek“ wurde 1417 fertiggestellt, „Abdulazizxon“ erst Mitte des 17. Jahrhunderts. „Ulugbek“ fasziniert durch die wunderschöne gedrehte Kantenverkleidung entlang des Iwans, bei der gegenüberliegenden „Abdulazizxon“ ist es die prunkvolle Verkleidung der Innenkuppel über dem Eingang.

Von hier gehen wir einige Meter zurück, dann südlich, durch den „Toqi Telpak Furushon“, den Basar der Mützenverkäufer. In einem Teil des Gebäudes ist eine historische Schmiede untergebracht, dort werden noch heute Messer und Beschläge geschmiedet und verkauft.
Weiter südlich dann die „Moschee Magoki Attari“, eine der ältesten Moscheen ganz Zentralasiens, aus dem 9. / 10. Jahrhundert.

Von hier sind es nur noch wenige Schritte zum „Labi Xauz“, einem großen Platz mit schattigen Bäumen und einem 42 x 36 Meter großen Wasserbecken, das schon in 1620 gebaut wurde und von einem künstlich angelegten Kanal gespeist wird. Die Fontänen des Wasserbeckens erzeugen eine angenehme Frische, die den Platz zu einem der beliebtesten in ganz Bukhara macht, zwei kleine Lokale bieten Sitzplätze und kühle Getränke an.
Im Westen wird das Wasserbecken vom „Nodir Devon begi xonaqosi“ eingerahmt, einem Versammlungsgebäude, auch aus 1620, östlich des Wasserbeckens begrenzt die „Medrese Nodir Devon begi“ den Platz, in 1622 als Karawanserei erbaut, später dann zur Medrese umgebaut, auch hier eine wunderschöne verkachelte Fassade, bunte Motive, Mosaik und Schriftzeichen, als Besonderheit hier grüne Reiher und die Sonne mit einem Gesicht, eine absolute Rarität in der islamischen Welt.
Vor der Medrese im Park die Statue von „Xoja Nasriddin Afandi“ auf einem Esel, ein in der gesamten islamischen Welt bekannter Held, über den humorige Anekdoten und lustige Geschichten erzählt werden.

Auf dem Rückweg schauen wir einem Ziselleur bei der Arbeit zu, das ist noch Handwerkskunst, mühevoll, zeitaufwendig und immer präzise, –Respekt !

Am Abend dann als es schon ein wenig kühler wird, gehen wir ins „Chasmai Mirob“, nur wenige Meter von unserem Stellplatz entfernt.
Das Restaurant mit Dachterrasse bietet nicht nur absolut gute und preiswerte Speisen, es bietet auch einen absolut gigantischen Blick auf die untergehende Sonne und später über die am Abend beleuchtete Altstadt.

Mittlerweile ist es angenehm frisch geworden, an unserem Platz ist es jetzt absolut still, am Tag pulst hier das Leben, der Teppich- und Möbelbasar direkt in Wurfweite, mit Einbruch der Dunkelheit aber, wenn alle Geschäfte schliessen, kehrt hier absolute Stille ein.

Tagesetappe:     141 km                    Gesamtstrecke:     20.203 km

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 30. August 2013 in Uncategorized

 

Von Samarkand nach Kasan

Heute früh ist der Himmel ein wenig bewölkt, gut so, der Tag wird hoffentlich nicht wieder so heiß, wie die letzten.

Trotzdem fahren wir früher los, wir verlassen die Stadt Richtung Süden, fahren auf die M 39, Richtung „Ghuzar“ und „Qarshi“.
Zunächst ist die Landschaft weiterhin bretteben, rechts und links unseres Weges wird Landwirtschaft betrieben, Weißkraut, Tomaten, Gurken, Melonen und Wein werden angebaut und gleich frisch vom Feld an der Straße zum Kauf angeboten.

Die Straße ist zu Beginn noch ganz brauchbar, wird aber zusehends schlechter, umso weiter wir uns von der Stadt entfernen.
Der Unterschied von Stadt zu Land fällt uns immer wieder auf, die Städte sind absolut top in Ordnung, schöne neue Straßen, die meisten Gebäude modern, sauber und gepflegt, Grünanlagen überall, Gehsteige breit und sauber gepflastert und Straßenlaternen, alles super gepflegt und sehr sauber, die „Putzkolonnen“ sind immer und überall präsent und tun ihr Bestes. Die Dörfer und kleinen Städtchen auf dem Land werden offensichtlich stiefmütterlich behandelt, die Straßen sind meist schlecht bis miserabel, Gehsteige oft gar nicht vorhanden oder halt unbefestigte Gehwege, die Häuser sind oft nicht in bestem Zustand, alt und ungepflegt, obwohl auch in den Dörfern sehr viel neu gebaut wird.

Bald verändert sich die Landschaft, am Horizont tauchen Berge auf, wir überqueren sie über den „Tahtakaraca-Pass“, dort oben stehen jede Menge Händler, die ihre Waren anbieten, auf der anderen Seite geht es über steile Serpentinen hinunter ins Tal bei „Kitab“ und dann nach „Shahrisabz“.
In „Shahrisabz“ sind die Reste des „Ak-Saray-Palastes“ zu sehen, den im 14. Jahrhundert „Amir Timur“, der große Eroberer und Herrscher über das Reich „Mawarannahr“ erbauen ließ und von dem heute nur noch die riesigen Türme von 38 Metern Höhe zu sehen sind. Der Palast muß riesig gewesen sein, die verbliebenen blauen und goldenen Kacheln an den Turmfassaden zeugen noch heute von dem seinerzeitigen Prunk den das Gebäude ausstrahlte.
Dort, wo einst das Zentrum des Palastes gestanden hat, hat man „Amir Timur“ ein großes Denkmal erbaut.

Hinter „Shahrisabz“ ändert sich die Landschaft ein weiteres Mal, plötzlich sind wir mitten in der Wüste, Hauptfarbe wieder mal ockergelb, Häuser und Mauern aus Lehm, die Dächer aus Stroh, alles ist staubtrocken und verdorrt, die Luft sieht trüb aus, der Wind treibt Sand und Staub über die Hügel, viele kleine Windhosen, oft sind vier oder fünf gleichzeitig zu sehen, ziehen ihre Bahn mit dem Wind über das Land, saugen Staub und verdörrtes Gestrüpp nach oben und lösen sich später wieder auf, manchmal sind beängstigend Große dabei, das sieht gefährlich, aber auch schön aus.

In „Ghuzar“ biegen wir rechts ab auf die A 380, hier erreichen wir den südlichsten Punkt unserer Reise, ab sofort fahren wir nur noch nach Westen und Norden, nun haben wir auch die Sonne nicht mehr direkt im Führerhaus, das ist gleich viel angenehmer. Bald kommen wir nach „Qarshi“, auch dort sind noch einige alte Gebäude zu besichtigen, wir verzichten heute drauf, es ist doch wieder heftig heiß geworden, 33 Grad, lediglich die alte Ziegelsteinbrücke bestaunen wir im Vorbeifahren.

Einige Kilometer später, bei dem Ort „Kasan“ suchen wir uns einen schattigen Stellplatz für die Nacht, in einem kleinen Maulbeerbaumwäldchen werden wir fündig und machen Schluß für heute. (39°05’27.92″N, 65°31’50.38″E)

Tagesetappe:     261 km                    Gesamtstrecke:     20.062 km

 
2 Kommentare

Verfasst von - 29. August 2013 in Uncategorized

 

Samarkand

Die Nacht war ruhig, trotz der nahen Straße und einer Hochzeitsfeier im gegenüberliegenden Lokal, drei junge Männer von dort waren gestern abend noch hier bei uns und wollten uns unbedingt mit nach dort schleppen, wäre ja schon interessant gewesen, aber Hund und Auto alleine im dunklen Park, das wollten wir dann doch nicht.
Am Morgen bringt uns der Nachtwächter der Schule gleich noch einmal Weintrauben und Pfirsiche aus dem Schulgarten, welch angenehme Aufmerksamkeit. Danke !

Heute früh versuchen wir die Stadt von Norden anzufahren, fahren im Süden raus, die Ostumgehung rum und von Nordosten dann in die Stadt rein.
Welch ein Wandel, das ist unglaublich, hier ist eine andere Stadt, als die, die wir gestern abend gesehen haben, die Straßen sind breit, sauber und ordentlich asphaltiert, die Häuser modern, oft neu, weltstädtisch, Geschäfte rechts und links der Straße, alles ist sauber, Bäume, Grünanlagen, Ampeln, Beschilderungen …..
…..in welcher Stadt waren wir gestern abend ?
Es ist unglaublich, wie eine Stadt so verschiedene Gesichter haben kann, im Süden das ländliche Bild, kleine Häuser, eng aneinandergebaut, enge Gassen, von meist schlechter Qualität, kleine Läden, Basare, dörflicher Charakter, dazu die Baustelle für die neue Straße, die quer durch die Stadt in den Norden führen soll,
— und hier im nördlichen Bereich dann das !  — schier unglaublich.

Über die breiten Straßen erreichen wir ziemlich schnell die Altstadt mit allen Sehenswürdigkeiten, die Samarkand so zu bieten hat.
Nach kurzem Suchen finden wir einen richtig guten Parkplatz, keine 500 Meter östlich des „Registon-Platzes“, in einer kleinen Einkaufspassage. (39°39’14.78″N, 66°58’46.95″E)
Von hier können wir bequem zu Fuß alle Sehenswürdigkeiten der Stadt erreichen.
Zuerst zum „Registon-Platz“ mit seinen drei weltberühmten Medresen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, dort ist zur Zeit die Hauptbühne für das derzeit stattfindende Musikfestival mit vielen Scheinwerfergalgen, Lautsprechern in Kleinwagengröße, hunderte oder mehr als tausend Sitzplätzen in Arenaform, Fahnenmasten und Bewirtungszelten aufgebaut, leider stört das den Anblick des Gesamtensembles „Registon-Platz“ unheimlich, kein Foto ist möglich, ohne daß Scheinwerfer oder Ähnliches mit abgebildet sind. Schade, aber so ist das halt eben, jetzt ist eben Musikfestival, das läßt sich nicht ändern und hat ja auch wiederum seine eigenen Reize, halt anderer Art.
Doch zunächst kommen wir nicht rauf auf den Platz, alles ist abgesperrt, Polizisten haben alles mit Absperrgittern dichtgemacht und stehen rund um den gesamten Platz.
Nach einiger Zeit sickert durch, daß wohl von 11 bis 14 Uhr für Publikum geöffnet sein wird.

So gehen wir zunächst weiter, die „Toshkent Ko´chasi“, eine als Fußgängerzone angelegte Straße runter zum „Siyob-Basar“, dort besichtigen wir die „Moschee Bibi Xanom“, aus dem 14./15. Jahrhundert, nur noch Teile des einstigen Monumentalbaues sind erhalten geblieben, jedoch sind die schon sehr beeindruckend, der Iwan ist 30 Meter, die Kuppel gar 44 Meter hoch, die Fassaden mit buntglasierten Kacheln belegt, die noch weitgehend erhalten sind.

Direkt gegenüber besichtigen wir das „Mausoleum Bibi Xanom“, ebenfalls aus dem 14./15. Jahrhundert, dort soll die legendäre „Bibi Xanom“ begraben sein, eine der Frauen von „Amir Timur“, die von überwältigender Schönheit gewesen sein soll. Sie gilt als die Namensgeberin der Moschee.

Wenige Meter weiter auf einer kleinen Anhöhe ist die „Moschee Hazrat Xizr“ aus dem 19. Jahrhundert zu besichtigen und nur wenige Minuten bergab dann die Gräberstadt „Nekropolis Shodi Zinda“, die „Amir Timur“ als Gräberstraße zu Ehren seiner Angehörigen und Freunde hat anlegen lassen, den Weg dorthin sparen wir uns allerdings, denn auch heute ist es wieder knallheiß, die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel, 37 Grad im Schatten, das Art-Cafe mit seinen schattigen Plätzen, direkt neben der Moschee, zieht uns magisch an, Teepause, schön, von der Terrasse ein wenig abseits, dem gemächlichen Treiben in der Fußgängerzone zuzusehen.

Gegen 12 Uhr sind wir wieder am „Registon-Platz“, er ist noch immer abgesperrt, aber einige Touristen sind mittlerweile drinnen, wir sagen einem der bewachenden Polizisten, daß wir rein möchten, er öffnet ein Absperrgitter und wir sind drin, so einfach ist das.
Die drei Medresen stehen auf drei Seiten um den Platz, auch wenn dieser derzeit nur aus Bühnen und Equipment besteht, ist der Anblick des Ensembles schon faszinierend,

Bereits im 14. Jahrhundert war der Platz eine wichtige Handelsstation für durchziehende Karawanen, später dann wurde der Platz nach und nach angelegt, zunächst nur geometrisch aufgeteilt, als Versammlungs-, Veranstaltungs- und Hinrichtungsplatz, dann zu Beginn des 15. Jahrhunderts bebaut, auf der linken Seite mit der „Medrese Ulugbek“, einer Koranschule, die 1420 fertiggestellt wurde.
Dann gegenüber, auf der rechten Seite mit der „Medrese Sherdor“, fertiggestellt 1636 und in den Jahren 1646 bis 1660 wird der Platz ergänzt durch die „Medrese Tilla Qori“ auf der dazwischenliegenden Längsseite.
Die Iwane und Fassaden sind mit blauen, goldenen und bunt glasierten Kacheln belegt, die Kuppeln türkisfarben, die bunte Ornamentik auf den Fassaden ist von beeindruckender Schönheit, die aufwendig gearbeiteten Mosaiken zeugen von uralter, meisterhafter Handwerkstradition, jede der drei Medresen in ihrem eigenen Stil, ihrer eigenen Formen- und Farbvielfalt.
Lange gehen wir über den Platz, so weit es überhaupt möglich ist, und durch die Innenhöfe der einzelnen Medresen, viele wunderschöne Details laden zum Verweilen ein, irgendwann hören wir auf zu fotografieren, es ist einfach unmöglich, all die Eindrücke einzufangen.
Das ganze wird untermalt von Musik, draußen auf der Bühne tritt eine Gruppe nach der anderen zum „Soundcheck“ an, vorher üben sie noch ein wenig, so sitzen und stehen immer wieder Musiker oder kleine Gruppen irgendwo in den Innenhöfen in einer ruhigen Ecke, singen, spielen ein Instrument oder beides zusammen, die Akkustik in den Innenhöfen ist fantastisch, Gänsehautfeeling, wir können gar nicht mehr loslassen, heute abend müssen wir mal schauen, was hier geboten wird.

Irgendwann reissen wir uns dann doch los, gegenüber dem Platz, in den Geschäftshäusern ist ein nettes kleines Lokal mit einer Dachterrasse, schattig, angenehm kühl, es ist sowieso längst Zeit für eine ausgiebige Mittagspause.

Ausgeruht und frisch bewegen wir uns anschließend in südwestliche Richtung, durch einen kleinen Park, an einem Springbrunnen vorbei, der Wind weht leichten Sprühnebel von den Wasserfontänen über den Platz, das ist angenehm bei dieser Hitze, kaum jemand geht vorbei, ohne eine kurze Dusche über sich hinwegziehen zu lassen, auch wir empfinden das als sehr angenehm.
Nach knapp einem Kilometer sind wir am Mausoleum „Go´ri Amir“, fertiggestellt im Jahr 1405, einem palastartigen Prunkbau, in dem „Amir Timur“ beigesetzt wurde.
34 Meter hoch ist die Kuppel, wunderschön gestaltet die Fassade, dunkelblau, türkisfarben und beige die dominierenden Farben, eigentlich schon keine Fassade mehr, eher ein Gemälde, ein fantastisches Kunstwerk.

Nach einem kleinen Bummel durch einige Kunsthandwerkershops reicht es dann für heute, anzusehen gäbe es noch unendlich viel, doch wir drei sind mächtig geschlaucht, jetzt erst mal zurück zum HerrMAN, dem wird es auch heiß geworden sein, dort auf dem schattenlosen Parkplatz.
Wir haben beschlossen, heute nacht hier stehen zu bleiben, und heute abend mal zu schauen, ob wir irgendetwas von dem Musikfestival mitbekommen können, der Parkplatz ist ruhig, wir fühlen uns wohl hier, also warum nicht.
Wir setzen uns draussen neben den HerrMAN, der macht schön Schatten, wollten eigentlich ein wenig ausspannen, aber da sind sie wieder, die wahnsinnig gastfreundlichen Usbeken, ständig kommt jemand vorbei, begrüßt uns, fragt uns nach dem Woher und Wohin, nach den Namen, staunt über unsere Reise und im Nu sind wir eingeladen, zum Tee, zum Abendessen, zum Wodka, wir können gar nicht so schnell ablehnen, wie die Einladungen kommen, wir wollen aber doch zum Musikfestival heute abend, dafür haben sie dann auch Verständnis und verzeihen uns den Korb.
Heike freundet sich gleich mit einem ganzen Frauenclan an, neben unserem Platz ist eine Schneiderei, das interessiert Heike, sie macht das selbst gerne, wird von der Chefin in den Laden gebeten, dort wird von einigen Frauen noch richtig von Hand gearbeitet, individuell gefertigt, genäht, gestickt, Pailetten geklebt, aber auch moderne Technik hat hier schon Einzug gehalten, moderne Computer besticken auch hier schon Stoffe, erstaunlich die Kombination. Aus dem Laden dringt immer wieder lautes Lachen, offensichtlich verstehen sie sich prächtig, es wird fotografiert, geratscht, gelacht, schön, wie einfach das geht, auch ohne viel reden, einfach durch Fingerzeigen und Gesten.

Um 19 Uhr geht es dann los, Musik dringt vom „Registon-Platz“ herüber, wir gehen durch den kleinen Park, der Platz ist natürlich abgesperrt, von der Fußgängerzone daneben können wir doch recht gut auf die Bühne schauen und zu hören ist die Musik, dank der enormen Beschallungsanlage auch ganz gut. Hier lassen wir uns auf dem Rasen des Parks nieder und lauschen den Klängen der internationalen Interpreten, 52 Nationen sind auf dem Festival vertreten, jeweils nach drei Musikstücken ist ein anderes Land an der Reihe.
Dort in der Fußgängerzone ist um diese Zeit der Teufel los, die gesamte Stadt scheint unterwegs zu sein, alle flanieren, Jung und Alt, ganze Familien, schön anzusehen, wie sie schlendern, niemand scheint hier Eile zu haben, viele lassen sich am Rand auf den Grünflächen nieder, haben was zu naschen dabei, die Kinder spielen, die etwas älteren fahren Rad oder Skateboard, der Abend bringt die erfrischende Kühle, auf die alle sehnsüchtig den ganzen Tag gewartet haben, eine schöne laue Sommernacht.
Wir bleiben bis kurz vor 23 Uhr, noch immer ist reger Betrieb, hier wird die Nacht zum Tag gemacht, wir gehen dann mal nach Hause, noch gegen Mitternacht ist die Musik zu hören, dann ist auch dort Schluß, morgen geht es weiter.

Auch bei uns.

Tagesetappe:     18 km                    Gesamtstrecke:     19.801 km

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 28. August 2013 in Uncategorized

 

Von Tashkent nach Samarkand

Zur Zeit fahren wir immer schon eine Stunde früher los, damit wir es noch ein wenig kühler haben, es ist mächtig heiß die letzten Tage, immer so 36 oder 37 Grad, wir machen dann mittags ein wenig länger Pause im Schatten einiger Bäume, oder machen abends ein wenig früher Schluß. So auch heute.

Gegen 9.00 Uhr fahren wir los, anstatt auf die gut ausgebaute M 39 zu fahren, fahren wir gleich auf die alte A 373 und dann „über die Dörfer“ Richtung Süden. Das ist gar nicht so verkehrt, weil die M 39 irgendwann über kasachisches Gebiet führt und wir zur Vermeidung des zweimaligen Grenzprozederes dann sowieso eine Umleitung „über die Dörfer“ zu fahren hätten.
Über Boka führt dann eine neu gebaute, vierspurige Querverbindung bis „Gulistan“ und dann doch noch auf die M 39, die uns bis zum Abend nach „Samarkand“ bringt.

Unsere Navigation war eigentlich gar nicht schlecht, wir haben zwar einige Kilometer mehr zu fahren, haben allerdings mit der neuen Straße eine recht gute erwischt und zudem äußerst wenig Verkehr. Auf der M 39 ist die Asphaltdecke oft recht schlecht, brüchig, zerfahren und wellig, HerrMAN hat damit immer so seine Schwierigkeiten und hüpft wie wild, zudem machen sich die 250 kg zusätzliches Gewicht an Diesel ganz hinten auf dem Motorradträger bemerkbar, die lassen ihn gleich noch ein wenig mehr springen.

Landschaftlich sind die mehr als 300 Kilometer heute nicht unbedingt ein Highlight, ok, wir sind auch ziemlich verwöhnt, von dem, was wir so die letzten Tage und Wochen vor den Augen hatten, das ist schwer zu toppen.
Die Landschaft ist bretteben, keine Berge, keine Hügel, dort wo bewässert wird, landwirtschaftliche Flächen, viel Baumwolle, auch Mais, bereits abgeerntete Getreidefelder, immer wieder mal eine Melonenfeld, Obstplantagen oder Weinfelder, dort wo nicht bewässert wird, ist alles gelb und dürr, steppenartig und karg.
Dazwischen unsere Straße und die kleinen Dörfer und Städtchen, die sie durchschneidet, dort immer wieder Verkaufsstände, natürlich Melonen, im Überfluß und in allen Variationen, auch Obst und Tomaten, in der Nähe eines Sees auch immer wieder mal Fisch.

Auffällig ist die enorme Polizeipräsenz, überall, an den Zufahrtsstraßen der größeren Städte und an den Distriktgrenzen sind Permanentkontrollen aufgebaut, was oft zu Staus führt, jeder muß durch, bei den PKW´s wird meist in den Kofferraum geschaut, LKW´s werden schon gerne mal rausgewunken, wir haben auch schon zwei Kontrollen hinter uns, und auch zwischendurch stehen immer wieder Polizeistreifen an den Straßen, jede größere Brücke, Staudämme oder gar jeder Eingang in die U-Bahn in Tashkent wird von Polizisten bewacht.

Gegen abend kommen wir in Samarkand an, heute ist ein verdammt heißer Tag, schon weit vor Samarkand haben wir die 38-Grad-Marke erreicht.
Für die Stadt haben wir zwei Adressen von Hotels, bei denen wir gerne zum Übernachten stehen würden, unser Navi schickt uns zur ersten Adresse von Süden in die Stadt, das Hotel liegt mitten in der Altstadt, die Stadt ist eine einzige Katastrophe, die Straßen eng und löchrig, zudem eine einzige Megabaustelle, nach sieben Kilometern endet unsere Fahrt, die Altstadt ist durch querstehende Busse komplett abgeriegelt, wir drehen, versuchen es über andere Wege, immer wieder ist irgendwo die Straße gesperrt, Durchkommen unmöglich, auch hier überall Polizei. Dann versuchen wir es mit der zweiten Adresse, — das selbe Spiel, — kein Durchkommen, die Stadt ist dicht.
Der Grund: Alle zwei Jahre findet in Samarkands Altstadt das bedeutendste Musikfestival Zentralasiens, das „Sharq Taronalari“ statt, zu dem viele Künstler aus Asien und Europa anreisen und auf den Bühnen in der Altstadt und am „Registon-Platz“ ihre Musik vortragen, dieses Jahr vom 25. bis 30. August.
Und heute macht der Präsident seine Aufwartung, logisch, daß hier alle nervös, die Straßen gesperrt und überall massenhaft Polizisten im Einsatz sind, das ist wohl überall auf der Welt der selbe Zirkus. Für heute ist es uns zu spät, aber vielleicht werden wir uns das Festival morgen abend mal etwas genauer ansehen.

Also heute hilft nur noch die Flucht, raus aus der Stadt, nichts wie weg. Aber auch das gelingt kaum noch, selbst der Rückweg ist teilweise schon versperrt.
Letztendlich klappt es dann doch noch und wir finden einen ganz guten Stellplatz an der Agrarschule an einer Ausfallstraße, dort, in einem kleinen Park am Eingang können wir stehen, der Nachtwächter gibt sein ok. und bringt uns zur Begrüßung gleich mal einen ganzen Berg frisch geernteter Weintrauben.  — „Rachmad“ (39°38’16.11″N, 67°02’10.79″E)

Tagesetappe:     342 km                    Gesamtstrecke:     19.783 km

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 27. August 2013 in Uncategorized

 

Tashkent

Heute ist Ruhetag, hatten wir lange nicht mehr so richtig.
Mal länger schlafen, ein wenig „Nichtstun“, ich habe mal wieder dringend Internet nötig, es gibt einige Reiseberichte nachzuholen und auch Kontakt zur „Heimatfront“ muß mal wieder sein, E-Mails, Post erledigen, Bank usw., von solchen Dingen bleiben wir auch unterwegs leider nicht verschont. Das Hotel bietet WiFi-Internet in der klimatisierten Lobby, das ist bei der Hitze derzeit nicht unbedingt der schlechteste Ort, ein paar Stunden zu verbringen.

Am Nachmittag wollen wir eigentlich den näheren Umkreis des Hotels ein wenig erkunden, keine gute Idee bei 37 Grad, wir verschieben das auf den späten Abend.

Zeit, ein wenig über „Tashkent“ zu berichten:
„Tashkent“, die Hauptstadt Usbekistans, ca. 2,1 Millionen Einwohner, aber überraschend ruhig und gelassen, gar nicht hektisch und wahnsinnig grün, überall Parkanlagen, Bäume und Hecken, Rasenflächen, dadurch auch viel Schatten und eigentlich recht gut zu ertragen, auch bei der momentanen Hitze.
Die Stadt liegt in einer Oase, der Fluß „Chirchiq“ und einige von ihm abgeleitete Nebenkanäle laufen mitten durch die Stadt, dienen der Bewässerung.
„Tashkent“ ist eine junge Stadt, durch ein schweres Erdbeben wurde die Stadt 1966 fast vollständig zerstört und danach wieder komplett aufgebaut.
Daher bietet „Tashkent“ eigentlich kaum Sehenswürdigkeiten, ist aber trotzdem wirklich sehenswert, modern, breite Straßen, viele Parks und Plätze, alles sehr sauber und gepflegt, wir sind beeindruckt.

Gestern hatten wir schon mal Geld umgetauscht, eine irre Währung, usbekische Sum, 2.700 sind 1 Euro, der größte Schein ist der Tausender, es ist ein Wahnsinn, dieser Packen Geldscheine sind gerade mal 300 US-Dollar, Heike geht gerade mal ein Brot und ein wenig Wasser holen, mit dem Packen in ihrer Hand, wir wissen gar nicht so recht, wo wir die Packen hinstecken sollen, wenn wir mal ausgehen. Beim Bezahlen dann, ein Abendessen in einem ganz guten Lokal kostet um die 15 Euro, also um die 40.000 Sum, zähle ich dann mühselig 40 Scheine auf den Tisch, oft gibt es auch nur 500er, dann sind es gar 80 Scheine, der Kellner zählt brav nach, das kann dauern ……

Im Hotel ist heute wieder eine Hochzeitsfeier, wir hören die Musik von der Straße, ich schaue mir das mal an.
Eine Truppe junger Trommler steht Spalier am Eingang zum Festsaal und begrüßt trommelnd und singend jeden einzelnen Gast, das hört sich gut an und sieht gut aus, wir hören sie noch lange.

Am Abend sehen wir uns die nähere Umgebung des Hotels an, spazieren ein wenig über den „Amir-Timur-Platz“, schön angelegt, in der Mitte das große Reiterdenkmal von „Amir Timur“, die Gebäude ringsum angestrahlt, dahinter ein weiterer Park mit einer Fußgängerzone, am Abend kommen viele Tashkenter hierher, geniessen den Abend, spazieren, wie wir, durch den Park, es gibt zwei, drei nette kleine Lokale im Park, endlich mal wieder im Lokal draussen sitzen, das haben wir seit vielen Wochen vermisst, ist in den anderen Ländern, die wir besucht haben, leider nicht üblich.
Wir geniessen es und schlendern dann später, es hat mittlerweile ein wenig abgekühlt, zu unserem Stellplatz zurück. (41°18’40.74″N, 69°17’02.05″E)

Tagesetappe:     0 km                    Gesamtstrecke:     19.441 km

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 26. August 2013 in Uncategorized

 

Von Boz nach Tashkent

Schon gleich nach dem Aufstehen bringt uns die Frau unseres „Gastgebers“ frische Melonen zum Frühstück, er hat uns gestern abend noch die Telefonnummern seiner beiden Brüder, die in Tashkent leben, aufgeschrieben, wir sollen uns bei ihnen melden, falls wir Probleme hätten, nein besser, wir sollen uns in jedem Fall bei ihnen melden, wenn wir dort sind. Sie sind einfach nur umwerfend freundlich und hilfsbereit, mit einem kleinen Gastgeschenk verabschieden wir uns von der Familie und fahren zurück auf die A 373, Richtung Tashkent.

Weiter durch das „Ferghana-Tal“, es ist beeindruckend, wie grün hier alles ist, was hier so alles wächst und gedeiht.

Die Straße ist hier meist vierspurig ausgebaut, die Asphaltdecke ganz brauchbar, manchmal etwas wellig, aber es gibt Schlimmeres.
Interessant ist nur, was dort auf der Straße, auf der doch ganz schön flott gefahren wird, so alles unterwegs ist, wobei der Motorradfahrer mit seinem Gespann ja eigentlich nur interessant ist, richtig unheimlich wird es erst, wenn ein Eselskarren als Geisterfahrer entgegenkommt, oder Kinder mit dem Fahrrad oder wenn wieder mal eine komplette Rinder- oder Ziegenherde samt Hirten und Hunden dort spazierengeht oder ein LKW mit etwas breiterer Ladung vor einem schleicht und Überholen nur erschwert möglich ist.

Interessant ist auch, daß die Sprittransporter grundsätzlich im Konvoi von 7 oder 8 Fahrzeugen fahren und immer vorne und hinten von einem Polizeifahrzeug begleitet werden.
Die Situation auf dem Tankstellensektor ist sowieso irgendwie verzwickt, weil es zu wenig Treibstoff gibt, es gibt unheimlich viele Tankstellen, aber viele haben ihren Schlagbaum unten, also geschlossen, viele andere haben geöffnet, jedoch sehen wir kaum mal ein Auto dort zum Tanken, offensichtlich sind die leergekauft, dann wieder mal stehen plötzlich Fahrzeuge in langen Schlangen an einer Tankstelle an, dort gibt es offensichtlich derzeit etwas.
Gleichzeitig sehen wir immer wieder am Straßenrand Benzin-Angebot in Plastikflaschen.
Preise gibt es an den Tankstellen eigentlich fast grundsätzlich auch keine, hie und da mal sind Preise angeschlagen, die sind jedoch so auffallend unterschiedlich, daß wir dazu neigen, daß die nicht wirklich aktuell sein können.
Es gibt in Usbekistan sehr viele gasbetriebene Fahrzeuge und ebenso viele Gastankstellen, das sind oft riesige Dinger mit unendlich vielen Zapfstellen, von denen aber meist auch nur mal eine oder zwei besucht sind. Irgendwo anders sieht man plötzlich einen Stau an einer solchen Tankstelle. — Offensichtlich gibt es auch hier Versorgungsprobleme.
Letztendlich haben wir gut daran getan, unseren Diesel schon in Kirgistan zu bunkern, so haben wir mit dem „Tankstellenproblem“ nichts zu tun.

Irgendwann endet das flache Land, es beginnt der Anstieg hinauf zum „Kamchik-Pass“ und schon ändert sich das Landschaftsbild, das fruchtbare „Ferghana-Tal“ endet hier, es wird trocken, steppenartig karg, später steinig und bergig, nur kleine Oasen sind zu sehen, ein paar Bäume in einem Tal, ein paar Häuser dabei, schönes Grün in der Einfarbigkeit der Berge ringsum.
Auf der linken Seite zieht sich ein Stacheldrahtzaun an der Straße entlang, Militär ist zu sehen, hier verläuft die Grenze zu Tadschikistan ein Stück parallel zur Straße.
Die Strecke zieht sich ziemlich lange durch die Berge, es ist heiß, die Felsen sind mächtig aufgeheizt, nur ganz oben am Pass ist es etwas angenehmer, auf der anderen Seite windet sich die Straße in langen Serpentinen hinunter ins Tal.

Irgendwann dann ist links ein Stausee zu sehen und dahinter das Industriestädtchen „Angren“.
Hier geben wir Gas und fahren schnell durch, schon aus der Ferne ist eine dicke Dunstglocke über der Stadt und dem Tal zu sehen, beim Näherkommen sehen wir dann die Anhäufung von Häßlichkeiten und auch die Ursache für den Smog.
Vom Kraftwerk an der Staumauer laufen mehrere Starkstromleitungen ins Tal, gleich dahinter wird Kohle im Tagebau abgebaut, sieht alles ziemlich zerwühlt aus dort, direkt daneben wird dann ein Teil der Kohle gleich verheizt, vermutlich ein Kohlekraftwerk, Kühltürme sind zu sehen und Schlote, die ganz jämmerlich rauchen, gelblichbrauner Qualm legt sich über das Tal, der Geruch von verbrannter Kohle hängt in der Luft.
Und weil das Tal sowieso schon nicht mehr zu retten ist, hat man gleich noch ein großes Tanklager und ein paar große Fabrikgebäude dazugesetzt.
Nichts wie weg, etwa 15 Kilometer später machen wir eine kurze Rast, von dort können wir noch einmal schön die Schornsteine und die Dunstglocke sehen.

Vor „Tashkent“ wird es wieder eben und grün, hier wächst und gedeiht wieder alles, hauptsächlich Obst wird hier angebaut.

Dann sind wir da, „Tashkent“, wir haben einen Stellplatztip am Hotel Usbekistan, fahren hin und „checken ein“, zwei Nächte wollen wir bleiben. (41°18’41.16″N, 69°17’01.01″E)
Naja, der Platz hinter dem Hotel ist ganz nett, am Rand eines kleinen Parks, allerdings 40 Dollar pro Nacht sind auch nicht gerade ein Schnäppchen.
Dann habe ich beim Einchecken wieder so ein „Abzockistan-Erlebnis“, meint doch der Rezeptionist, daß er die Registrierung, die man ja in Usbekistan unbedingt braucht, für einen Camperstellplatz nicht machen kann, dafür müssen wir ein Zimmer buchen, das billigste koste 100 Dollar, –ok, und wenn wir es buchen, aber nicht benutzen ? — dann nur 50 Dollar, — ok, aber den Stellplatz für 2 Nächte müssen wir trotzdem zahlen, — also im Klartext, die Registrierung soll 50 Dollar kosten, –ja, so kann man es sagen.
Ich zahle den Stellplatz für zwei Nächte und mache ihm klar, daß ich auf die Registrierung für 50 Dollar verzichte, er erklärt mir, daß ich sie aber unbedingt brauche, ich kontere, daß ich mir die Registrierung dann morgen woanders machen lasse, fordere ihn auf, mir unsere Pässe auszuhändigen und will gehen.
Da greift eine Kollegin ein, meint, ich solle bitte in einer Stunde wiederkommen, dann wären die Pässe fertig, –ok, danke ich komme pünktlich.
Nach einer Stunde bin ich wieder an der Rezeption, ich solle mich bitte einen Moment in die Lobby setzen und bitte noch 5 Minuten warten, was ich tue, dann ruft mich der Rezeptionist vom heutigen Spätnachmittag, reicht mir die Pässe und meint, die Registrierungszettel lägen im Paß. Ich überhöre das mal lieber, danke und gehe.
Zunächst bin ich verwundert über seine Aussage, schaue später in die Pässe und sie liegen tatsächlich drin ! Also, geht doch !
Der Junge wollte uns einfach mal wieder „abgreifen“, offensichtlich war seine Attacke selbst der Kollegin zu dreist, weil sie dann eingegriffen hatte.

Der Abend ist noch immer heiß, am Nachmittag zeigt das Thermometer 37 Grad, jetzt sind es noch immer 30, erst als wir später noch lange draussen sitzen, kühlt es ein wenig ab.

Tagesetappe:     299 km                    Gesamtstrecke:     19.441 km

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 25. August 2013 in Uncategorized